Über die Zikadenfibeln

Über die Zikadenfibeln der römischen Kaiserzeit und der Völkerwanderungszeit.

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Germanische Zikadenfibel

Zikaden galten bereits in China seit Jahrtausenden als ein Symbol der Wiederauferstehung und wurden daher in Form von Jadeschmuck den Verstorbenen als Beigabe mit ins Grab gelegt.

Von China aus fand die Zikade als schmückendes Element über Kleinasien, wohin sie durch die Sarmaten während der römischen Kaiserzeit unter den Kaisern Trajan und Hadrian gelangten, ab dem 2.Jh. n. Chr.  Eingang nach Pannonien, dem heutigen Ungarn.

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Zikadenfibel der Spätantike

Die Zikadenfibel kann bis nach Großbritannien nachgewiesen werden, wohin sie im Zuge der römischen Besetzung gelangte.
Erst während der Völkerwanderungszeit breitete sich das Motiv der Zikade auch in anderen Gebieten aus und war bis zum Ende der Spätantike in Gebrauch, wobei die Zikadenfibel von Römern wie Germanen gleichermaßen getragen.

Ursprünglich jedoch war die Zikadenfibeln ein Zubehör der Frauengewandung und diente paarweise an den Schultern getragen zum Verschließen des Peplos. In späterer Zeit wurde die Fibel jedoch auch als Drittfibel mittig auf der Brust zwischen diesen Fibelpaaren getragen oder fand auch als Einzelfibel Verwendung.

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Völkerwanderungszeitliche Zikadenfibel

Den Römern galt die Zikade aufgrund ihres immerwährenden Gesangs als Attribut des Musen-Gottes Apollo und war Sinnbild für die Unbeschwertheit der Jugend.
Zugleich war die Zikade ein Symbol des Lebens und der Wiedergeburt verbunden, da sie sich in der Metamorphose von einem unter der Erde lebenden Wesen in ein dem Himmel zugewandten Wesen verwandelte.

Aus diesem Grund war die Zikadenfibel während der Völkerwanderungszeit besonders in der Tracht von Kindern und jungen Frauen repräsentiert.
Die Zikade fand als Motiv dabei nicht nur als Fibel, sondern auch als Haarnadel und Beschlag für Gürtel und Pferdegeschirre Verwendung.

Zikadenfibel

Zikadenfibel aus dem 5. Jh.

Das Motiv der Zikade erlangte im Verlauf der Völkerwanderungszeit durch die Hunneneinfälle aus dem Osten und die von der Schwarzmeerküste stammenden begleitenden Stämme der Goten und Alanen eine regelrechte Blüte, die sich nicht mehr auf Pannonien beschränkte, sondern bis zum 5. Jh. in einem breiten Streifen von der Krim bis nach Frankreich reichte.

Waren die kaiserzeitlichen zikadenförmigen Schmuckelemente eher realistisch gestaltet und zumeist aus Bronze gefertigt, so wurden sie während der Völkerwanderungszeit eher stilisiert und aus hochwertigem Material wie Gold und Silber gefertigt und waren zuweilen mit roten Amaldin besetzt.

Zikadenfibel aus Ungarn

Zikadenfibel aus Ungarn

Im 6. Jh. verdrängten im Zuge der Christianisierung der römischen und germanischen Welt zunehmend Vogelfibeln die Zikadenfibel, aber das Motiv der Zikade ist noch bis in das 7.Jh.n.Chr. belegt.

Erst im frühen19.Jh.erlebte die Zikade eine „Wiederauferstehung“ im Krönungsornat Napoleons, der sich am ersten Frankenkönig Childerich orientieren wollte, dessen Grablege in Tournai mit ca. 300 zikadenförmige Beschläge ausgestattet war.
So schmückte Napoleon seinen Mantel irrtümlich mit den goldenen „Bienen“ seines fränkischen Vorbilds.

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Zikade aus dem Grab Childerichs

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Verfasst von Peer Carstens auf Grundlage der Abhandlung „Zikaden als Schmuck -und Trachtbestandteil in Römischer Kaiserzeit und Völkerwanderungszeit“ von Elfriede Kysela.

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