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Die Wilde Jagd

Die Wilde Jagd in der germanischen Glaubensvorstellung

Die Wilde Jagd oder das Wilde Heer war eine ungewöhnliche Erscheinungen am winterlichen Nachthimmel, die die Altvorderen für eine Jagdgesellschaft übernatürlicher Wesen hielten, und die insbesondere zur Julzeit um Weihnachten herum und zur Zeit der Rauhnächte durch die Lüfte zog, oftmals von einem feurigen Glanz umgeben.

Die Geisterwesen zogen dabei mit Getöse unter Stöhnen und, Heulen, Ächzen und Jammern durch durch den nächtlichen Himmel und verbreiteten Grauen. Schon von Weitem war das Blasen von Hörnern und Peitschenknallem zu vernehmen, lautes Wiehern und Schnauben von Pferden und das wilde Gekläff von Hunden.

Die Wilde Jagd bildeten die unglücklichen Seelen von Männern, Frauen und Kindern, die der Tod vor ihrer Zeit ereilt hatte, oft jene, die einen gewaltsamen Tod gestorben waren, doch auch Hunde und Pferde fehlten fast nie im Zuge der Wilden Jagd, häufig von einem Reiter auf einem Schimmel angeführt, umgeben von einer wilden Hundemeute.

Zuweilen vernahm man aus den Lüften eine wundersame Musik, die nicht von dieser Erde schien, doch verwandelte diese sich in angst erfüllendes Lärmen und Tosen, sobald die Wilde Jagd herannahte.

Zwar stand die Wilde Jagd den Menschen nicht eigentlich feindlich gegenüber, doch es war gut geraten, sich besser im Hause zu verbergen oder sich niederzuwerfen, denn wer sich nicht abwendeten und den Zug ansah, der konnte von der Wilden Jagd mitgezogen werden und musste mit den Seelen weiterziehen, bis er befreit wurde.

Die Wilde Jagd führte zuweilen ein Reiter an, der vor dem Geisterzug mit Rufen warnte. In Schweden nannte man den Anführer Oden, in Mitteldeutschland war es die Frau Holle, in Süddeutschland und Österreich die Perchta, bei den Walisern war es Arawn mit seinen Hunden, den Cŵn Annwn, die sich heute oftmals auf Schutzamuletten wiederfinden.

Die Wilde Jagd hat jedoch auch einen Bezug zu Wachstum und Fruchtbarkeit, denn in Schweden war es Volksglaube, dass die Heuernte schlecht ausfiel, wenn man Odins Rössern keine Grasbüschel opfert, wohingegen in einigen Gegenden Deutschlands geglaubt wurde, das Jahr würde besonders fruchtbar werde, wenn zur Zeit der Wilden Jagd schöne Gesänge zu hören wären, in anderen Gegenden brachte man den Pferden und Hunden der Wilden Jagd Milch, Brot, Bier und Ähren dar.

Im skandinavischen Norden nannte man die Wilde Jagd "Odensjakt" oder "Åsgårdsrei", bei den Germanen gab man ihr den Namen "Aaskereia", die Fahrt nach Asgard, denn das Wilde Heer wurde in der Vorstellung der Wikinger von Odin angeführt, der die gefallenen Einherjer von Walhalla aus in die Schlacht führte.

In England wurde die Wilde Jagd "The Wild Hunt" genannt, in Frankreich hingegen "Mesnie Hellequin" oder "Chasse Sauvage". Im Italienischen schließlich war der Name "Caccia Selvaggia" oder "Caccia Morta" geläufig.

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