Messer im Mittelalter

Messerformen im Hochmittelalter

Aus „Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern“ von Gerhard Holtmann (1993)

In der Tracht des Mittelalters waren einfache Gebrauchsmesser das Minimum an persönlicher Ausstattung. Messer wurden von beiderlei Geschlecht als Bestandteil der Gewandung getragen.

Mittelalterliche Messerformen vor 800 n. Chr.

Messer vor 800 n. Chr.

Im Mittelalter finden sich sowohl Griffangel-Messer als auch Griffschalen-Messer, wobei letztere erst im Spätmittelalter eine weitere Verbreitung erfuhren.

Messer aus dem Hochmittelalter nach Funden aus BrandenburgBei den Griffangelmessern kommen dabei verschiedene Griff-Formen vor:

1. Ein einfacher, aufgesteckter Vollgriff aus Holz, Horn oder Knochen

2. Eine Heftverstärkung am Angelansatz oder Griffabschluss

3. Ein Griff verziert mit Plättchen aus zumeist Kupfer- oder Eisenblech

4. Eine Metallummantelung des vorderen Griff-Endes

 

 

 

Griffschalen-Messer Bei den Griffschalenmessern gibt es hingegen nur zwei Formen:

1. Einfache Griffschalen aus Horn, Knochen oder Holz

2. Gesondert gesicherte Griffschalen

Messer mit Angel waren bis zum Hochmittelalter der am meisten verbreitete Messertyp.
Messer mit Griffschalen tauchen dagegen erst im Laufe des 10. Jahrhunderts auf und erreichen erst im 12. Jh.eine größere Verbreitung, bis sich ihre Zahl im 13. und14. Jh. im Fundmaterial schließlich nahezu verdoppelt.

 

 

Messer - Klingenformen im Mittelalter

Klingenformen

Die Klingenform konnte bei den Messern im Mittelalter sehr unterschiedlich gestaltet sein und es gab eigentlich alle denkbaren Variationen.

Messer mit gerader Rückenlinie und konvex geschwungener Schneide breiteten sich vom 8. bis 12. Jahrhundert stark aus und waren weit verbreitet, wohingegen die ebenfalls häufig anzutreffenden Messer mit gebogenem Rücken und gerade Schneide vom 8. bis 10. Jahrhundert zuerst etwas abnahmen und im 13. und 14. Jahrhundert dann wieder etwas zunahmen.

Ganz generell sind Klingen mit gebogenem Rücken und gerader Schneide aber im gesamten Mittelalter stark verbreitet und finden sich eigentlich in allen Regionen.
Die Klingen waren dabei im Mittelalter meistens nicht wesentlich länger als 10 cm, konnten aber durchaus auch 15 bis 20 cm lang sein.

Messer-Griffe im MittelalterGriffverzierungen
Dreidimensionale Verzierungen finden sich im Mittelalter fast ausschließlich an Vollgriffen der Griffangelmesser; sie liegen zumeist am Griff-Ende und sind vollplastisch ausgearbeitet.
Ursprünglich waren es eher abstrakte Tierdarstellungen, ab dem 13. und 14. Jahrhundert finden sich zunehmend auch Themen aus dem höfischen Bereich wie Ritterdarstellungen, Plastiken von Hofdamen usw. Es ist anzunehmne, dass die ehemalige Besitzer der Messer wohl eher den höheren Ständen angehörten.

Zweidimensionale Verzierungen fanden sich sowohl an Vollgriffen wie auf Griffschalen und waren vor allem als lineare und geometrische Muster gestaltet.

Mittelaltermesser aus BrandenburgDiese einfacheren Griffverzierungen waren im Unterschied zu den vollplastischen weiter verbreitet. Flechtband-, Wellenband- und Ringketten-Verzierungen sind insbesondere an mittelalterlichen Messergriffen des 9. bis 12. Jh. aus dem westslawischen Bereich bekannt. Mit  Zunahme der westdeutschen Siedler im Rahmen der Ostkolonisation verschwinden sie allmählich aus dem Fundbild.
Das Punktaugenmuster (Zirkelschlag) hingegen, welches vor 1300 eigentlich auf westslawische Siedlungsplätze beschränkt war, findet sich erst danach und dann bis in das 16. Jahrhundert hinein auch in anderen Regionen als Verzierung am Messergriff.

Mittelalter-Messer mit Griffplättchen

Messer mit Griffplättchen

 

 

Eine Besonderheit sind aufwändig gearbeitete Griffe mit Griffplättchenverzierung, bei denen sich zwischen Vollgriffteilen aus Holz, Horn oder Knochen einzelne oder mehrere Scheiben als Zierelemente befanden.

Diese Griffplättchen sind zumeist aus Eisen-, Bronze- oder Messingblech gefertigt; es finden sich hier aber auch Plättchenelemente aus Horn oder Bein und teilweise sogar aus Leder.

Solche Plättchen aus Buntmetall sind vor 1400 nur selten im Fundgut erhalten. Sie waren hauptsächlich über das 12. bis 15. Jahrhundert verbreitet, wobei sie gehäuft im nordöstlichen Raum auftreten, vielleicht aufgrund der sich dort entwickelnden Hansefilialen.

Ab dem 9. bis 10. Jh. finden sich zuweilen auch Klingenverzierungen, die entweder auf dem Klingenrücken oder auf der Schauseite der Klinge aufgebracht waren, gehäuft treten diese Dekorationen jedoch erst ab dem 16. Jahrhundert auf.

Auch sog. Marken, also einfache Herstellerzeichen, finden sich hin und wieder auf der Schauseite der Klinge, wobei das älteste Beispiel erst aus dem 13. Jahrhundert stammt, was interessanterweise mit den frühesten schriftlichen Nachweisen über den Berufszweiges des Messerschmiedes korrespondiert.

Messer-Griffe im Mittelalter

Klappmesser im MittelalterInteressant sind auch Funde von Klappmessern, die zum Teil heutigen Rasiermessern verlüffend ähnlich sehen. Bereits aus der Wikingerzeit sind solche Klappmesser bekannt.
Während bei Kelten und Germanen eher Messern mit deutlichem Waffencharakter stark vertreten waren, waren die Messer im Mittelalter mehr Mehrzweckmesser, die sich in der Renaissance schließlich zu Tafelmessern weiterentwickelten.

 

Literaturhinweise und Bildnachweise:
– Gerhard Folke Wulf Holtmann (1993): Untersuchung zu mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Messern. Dissertationsschrift, Fachbereich Historisch-Philologische Wissenschaften, Georg-August-Universität, Göttingen
– Ulrich Schoknecht (1967): Ein Fund mittelalterlicher Waffen von Levetzow, Kreis Wismar. Bod. Meck. Jb 1967, Berlin. 283-303
– Bürger, Bauer, Edelmann – Berlin im Mittelalter. Museum für Vor- und Frühgeschichte. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin, 198

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2010 basieren auf der Dissertation von Gerhard Folke Wulf Holtmann: http://webdoc.sub.gwdg.de/diss/copyrdiss.htm

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