Holzgerät im Altertum

Über die Verwendung vom Holzgerät von der Steinzeit bis zur römischen Kaiserzeit

Seit jeher war Holz einer der wichtigste Werkstoffe der Menschheit, denn Holz stand praktisch überall zu Verfügung, war leicht zu beschaffen und einfach zu bearbeiten – selbst mit einem Faustkeil aus Stein. Holz ließ sich außerdem für die unterschiedlichsten Einsatzzwecke gebrauchen. So kann man bis zum Beginn der Steinzeit quasi von einer Holzzeit sprechen.

Da Holz sich an der Luft durch Witterungseinflüsse schnell zersetzt und somit nicht sehr lange erhalten bleibt, sind leider nur sehr wenige historische Artefakte aus Holz erhalten geblieben. Allerdings hat sich unter Luftabschluss in manchen Grablegen, in Mooren, Seen und im Meer einiges an Holzgerät bis heute erhalten. Auch extreme Trockenheit oder Kälte können Holz sehr gut konservieren.

Schon in der älteren Steinzeit wurden Gefäße und Geschirr aus Holz geschnitzt. Dafür wurden häufig die „Knollen“, Wurzelstubben, vorzugsweise von Birken aber auch von anderen Laubbäumen, verwendet. Solche Gefäße hatten dann fast ausnahmslos eine insgesamt eher rundliche Form, waren also meist ohne glatten Standboden. In einigen Fällen wurden die Holzschalen aber auch mit drei kleine Füßchen gearbeitet, auf denen die Holzschale dann sicher stand.

Auch Waffen, wie hölzerne, im Feuer gehärtete Spieße und später auch Bögen, sowie erste primitive Behausungen wurden aus Holz gefertigt. Größere Objekte, wie Einbäume, wurden häufig mit kontrolliertem Feuer ausgehöhlt. Solche Einbäume waren in Europa tatsächlich von der Steinzeit bis hin zur Wikingerzeit überall verbreitet.
Die ersten Behausungen wurden aus Bäumen als Baumaterial gefertig und spätestens seit der Jungsteinzeit bewohnten die Menschen dann auch komplett aus Holz gezimmerte Häuser.

Neben geschnitzten Holzgefäßen waren schon seit der Steinzeit auch Körbe und Reusen in Flechtwerk aus Weide gefertigt in Gebrauch. Auch biegsame Wurzeln wurden zum Flechten von Körben verwendet, die in ihrer Form alle fast unverändert bis in die Neuzeit Bestand hatten und haben – so sind in Skandinavien noch heute aus den dünnen Wurzeln von Nadelbäumen geflochtene „rotkorgar“, Wurzelkörbe, gebräuchlich.

In der Bronzezeit schließlich erreichte die Holzschnitzkunst einen hohen Standard. Holzgefäße wurden erstmals mit einem umlaufenden Standring versehen und waren in manchen Fällen sogar mit dekorativen Mustern aus Zinn- und Bronzestiften verziert. Genähte Spanschachteln aus Rinde wurden jetzt ebenfalls gefertigt.
Um Wasser zu erhitzen wurden im Feuer erhitzte Steine in große Holzbütten gelegt und das Wasser damit nach und nach, quasi durch das „Tauchsiederprinzip“, erhitzt und zum Kochen gebracht.

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Mit der Entdeckung des Eisens wurde die Holzbearbeitung erheblich vereinfacht, und während der Eisenzeit wurde eine große Zahl kunstvoll gefertiger Holzgerätschaften hergestellt.
In der Hallstadtzeit entdeckten die Menschen zwei entscheidende neue Techniken: Die Wippdrehbank, mit der jetzt rund gedrechselte Gegenstände hergestellt werden konnten. Und die Böttcherei, bei der Gefäße aus einzelnen Holz-Dauben zusammengesetzt wurden, und so daraus größere Schalen, Tröge und Fässer gefertigt werden konnten.
Geschnitztes Holzgeschirr war weiterhin in Gebrauch. Und dieses reichte von der kleinen Henkeltassen bis zu großen Holztrögen. Die geschnitzten Schalen waren häufig für die bessere Handhabung mit einem kleinen Griff versehen. Vorwiegend Esche und  Ahorn, aber sogar Eibe wurden dafür verwendet. Interessanterweise waren diese Holzgefäße zwar außen sehr schön geglättet, im Inneren jedoch oft weniger sorgfältig gearbeitet.

Es wurden auch mit aufwändigen Bandmustern verzierte Spanschachteln aus Lindenbast gefertigt. Holzschalen waren hingegen in der Hallstadtzeit niemals auf so liebevollauf diese Weise verziert, es waren wohl reine Gebrauchsgegenstände.

Schon in der Hallstadtzeit und noch mehr in der nachfolgenden La-Tène-Zeit (Latenezeit) konnten die keltischen Holzgefäße mit metallischen Verzierungen versehen oder sogar komplett mit gepunzten Bronzeblechen beschlagen sein. Selbst Beschläge mit Goldblech kamen vor. Eine Besonderheit der älteren La-Tène-Zeit stellen hölzerne Röhrenkannen dar, die keramische Vorbilder imitierten und ebenfalls mit Metallblech beschlagen sein konnten.

Im Laufe der Latene-Zeit entwickelte sich eine hochstehende Drechslerkunst mit sehr sorgfältig und kunstvoll gearbeiteten Produkten. Gefäße aus Ton waren im Fundmaterial im Verhältnis zu Holzgeschirr dagegen nur wenig vertreten.

Geböttcherte Gefäße aus Dauben spielten in der Hallstadt- und Latenezeit nur eine untergeordnete Rolle und erreichten erst in der römischen Kaiserzeit größere Bedeutung.
Der große Vorteil der Böttcherkunst liegt darin, dass beim Böttchern aus kleinen Einzelteilen, den geschnitzten Dauben, große und sogar sehr große Gefäße aller Art, wie Bütten, Bottiche und Fässer, gefertigt werden können.
Die Herstellung von Daubengefäßen war schon damals eine spezialisierte Tätigkeit, die hohes Wissen und Können verlangte und sich daher anfangs nur in größeren Gemeinwesen entfalten konnte.
Interessant, dass auch nur sehr kleine Gefäße aus Dauben geböttchert wurden, was die Kunstfertigkeit des Böttchers ganz besonders fordert und unter Beweis stellt.  Für Daubengefäße wurde vornehmlich Nadelholz von Tanne, Kiefer und Eibe verwendet.
Die Reifen, die die einzelnen Dauben zusammenhielten,  bestanden zumeist aus elastischen Hölzern, wie Weide und Haselrute, oder auch aus Metall.

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Aus der Römer-Zeit sind mehrere Holzfunde überliefert, die sich in Mooren und Grablegen gut erhalten haben. Besonders auf römischen Friedhöfen wurden vermehrt geböttcherte Dauben-Eimer gefunden, die als Bestattungsgefäße oder Beigabenbehälter gebraucht wurden. Vor allem aber spielten geböttcherte Daubengefäße im täglichen Leben eine wichtige Rolle. Geböttcherte Holzgefäße gehörten in der nachchristlichen Eisenzeit zum üblichen Inventar vieler Haushalte.

Gedrechselte Holzgefäße waren in der römischen Kaiserzeit und in der germanischen Völkerwanderungszeit im Gegensatz zur vorchristlichen Eisenzeit oft höher und mit eingezogenen Rändern gearbeitet, und sie waren außerdem oft mit aus dem Holz herausgearbeiteten Schmuckschnitzereien verziert.
Mit ihren reichen Profilierungen ähnelten die gedrechselten Gefäße der römischen Kaiserzeit dabei häufig sehr ihren getöpferten Pendants, „imitierten“ diese gewissermaßen. Für gedrechselte Objekte gebrauchte man gewöhnlich Ahorn, für geschnitzte das Holz der Erle. Die gedrechselten Gegenstände des Alltags wurden vermutlich bereits zu dieser Zeit in spezialisierter Massenfertigung hergestellt.

Aus der Völkerwanderungszeit wurden schließlich auch kunstvoll geschnitzte germanische Holzschalen mit als Tierkopf gestalteten Griffen und Henkeln nachgewiesen. Auch umlaufend herausgearbeitete Griffleisten wurden im archäologischen Material gefunden.

Verfasst von Peer Carstens 2013, unter anderem bezugnehmend auf die Schrift „Holzgefäße vom Neolithikum bis zum späten Mittelalter“ von Torsten Capelle 1976

 

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