Waschanleitung für edle Stoffe

Wie man Kleidung aus natürlichen Fasern richtig pflegt.

Stoffe aus Naturmaterialien können bei unsachgemäßer Behandlung Schaden nehmen, sie „laufen ein“, d. h. die Faser verkürzt sich. Das ist vor allem bei Kleidungsstücken ärgerlich. Naturfasern leiden durch zu viel Hitze und durch zu viel mechanische Bewegung, wie beim Waschen in der Waschmaschine und beim Trocknen im Trockner unvermeidlich:
– Kleidung aus Baumwolle läuft, wenn diese nicht „konditioniert“, also vorbehandelt ist, regelmäßig schon bei 40°-Wäsche und ganz sicher im Trockner ein,
– Leinen möchte nicht heiß getrocknet oder gebügelt werden,
– reine Wolle filzt beim Waschen mit heißem Wasser und viel Bewegung. Das kann erwünscht sein und wird beim Filzen genutzt. Meistens ist es aber nur ärgerlich….
– Seide ist ein tierisches Produkt und verträgt daher wie Wolle ebenfalls nur milde Temperaturen.

Will man lange Freude an einem schönen, wertvollen, geliebten Kleidungsstück haben, empfiehlt es sich den folgenden Pflegetipps zu folgen.

Leinen

Auch Leinen läuft bei Heißwäsche ein, allerdings nicht so viel wie Baumwolle. Waschen Sie das Kleidungsstück „auf links“ im Schonwaschgang bis max. 40 Grad und verwenden Sie bei farbiger Gewandung nur ein Feinwaschmittel ohne optische Aufheller.

Kleidungsstücke aus Leinen leiden beim Waschen in der Waschmaschine, denn es entstehen dabei sog. Knitterfalten, die sich nur schlecht oder auch gar nicht ausbügeln lassen. Warum? Ganz einfach – die Leinenfaser ist an diesen Stellen durch die Mechanik der Trommelbewegung gebrochen. Das ist ärgerlich, aber vermeidbar!
Legt man die Leinenkleidung vor dem Waschen in der Maschine einfach einige Stunden in reichlich kaltes Wasser, nimmt die Leinenfaser Feuchtigkeit auf; sie wird so flexibel und übersteht auch den Waschgang in der Waschmaschine ohne zu „knittern“, also ohne zu brechen.
Nur schwach schleudern bzw. nur anschleudern und das Kleidungstück noch gut feucht zum Trocknen auf einen Bügel hängen, leicht in Form ziehen und – idealerweise draußen mit ein wenig Luftbewegung, aber nicht in der prallen Sonne – trocknen lassen.
Ist nach dem sanften Schleudern noch zu viel Feuchtigkeit vorhanden, kann man diese einfach und schonend entfernen:  Legen Sie das Kleidungsstück auf ein großes, saugfähiges Tuch (Molton, Bettlaken, Badehandtuch) und rollen Sie es mit dem Tuch zusammen zu einer dicken „Wurst“ auf. Die kann man jetzt kräftig wringen, ohne dass dem teuren Stück etwas passiert. Das Wasser wird durch das Wringen aus dem Kleidungsstück in das Tuch gepresst. Das Wringen kann man beliebig oft wiederholt werden, jedesmal mit trockenen Tüchern, bis die Restfeuchte zufriedenstellend ist. Aufhängen zum Trocknen – s. o.
Trocknen im Wäschetrockner sollte man vermeiden, es besteht  Einlauf- und Knittergefahr. Falls es doch einmal nötig sein sollte, Kleidungsstück unbedingt gut vortrocknen – s. o. Mit niedriger Temperatur und schonender Trommelbewegung trocken (Pflegeleicht- oder Synthetikprogramm). Einige Tennisbälle in der Trommel lockern das Gewand zwischendurch immer wieder auf – es trocknet gleichmäßiger und es entstehen weniger Falten. Restfeuchte sollte erhalten bleiben.
Auf einem Kleiderbügel leicht in Form ziehen und trocknen lassen – s. o.  Eigentlich sollte bei einem so liebevoll behandelten Kleidungsstück kein Bügeln erforderlich sein.

Falls man doch bügeln möchte, dann unbedingt
– in leicht feuchtem Zustand,
– mit niedriger Temperatur, dafür aber
– mit viel Druck!
Egal, was auf dem Bügeleisen steht und was man immer wieder liest – trockene Hitze schadet der Leinenfaser! Ganz edles Leinen glättet man seit alters her mit der Kaltmangel, die Altvorderen verwendeten zum Glätten des Leinens Glättsteine oder Glättbretter.
Leinen kann zwar unproblematisch heiß gewaschen werden, bei Bett- und Tischwäsche macht das auch Sinn. Es sollte aber nicht heiß gebügelt oder gemangelt werden – schon gar nicht in trockenem Zustand!

Baumwolle

läuft leicht ein, vor allem bei zu großer Hitze. Waschen Sie das Kleidungsstück „auf links“ im Schonwaschgang bis 30 Grad, separat oder mit Kleidungsstücken in ähnlichen Farben.
Wir empfehlen Waschmittel ohne optische Aufheller. Auch beim Trocknen im Trockner läuft Baumwolle ein. Wählen Sie möglichst das Pflegeleicht- oder Synthetikprogramm. Das dauert zwar länger, trocknet aber schonender bei niedriger Temperatur. Die Einlaufgefahr ist geringer.

Baumwollsamt

Die Kleidungsstücke auf links drehen und in einen Wäschebeutel oder Kopfkissenbezug geben. Bei 30°Grad in der Maschine waschen.
Nach dem sanften Schleudern mit sehr viel Liebe, Ausdauer und Geduld in die richtige Form ziehen, am besten sogar liegend trocknen. Das empfiehlt sich bei wertvollen Kleidungsstücken. Sollten Sie das Kleidungsstück bügeln wollen, dann nur von links – der Samt kann sonst den schönen Glanz verlieren – und mit sehr viel Dampf oder einem feuchten Tuch.

Baumwollfilz

Filz entsteht aus einem gewebten Produkt durch mechanische Bearbeitung. Soll ein Kleidungsstück aus Filz seine Form behalten, muss man es sanft behandeln.
Am besten separat von Hand in lauwarmen Wasser mit Feinwaschmittel waschen. Verwenden Sie nur rückfettende Waschmittel. Dabei nicht reiben, bürsten oder stark wringen. Wasser von Hand ausdrücken oder mit einem Trockentuch entfernen – s. Schurwolle.
Nicht in den Wäschetrockner geben oder in der prallen Sonne trocknen.
Nur mit einem feuchtem Tuch oder viel Dampf bei leichter Hitze bügeln.

Schurwolle

Reine Wolle ist ein wunderbares Naturprodukt, dass sich sozusagen „von selbst“ reinigt. Wolle „atmet“, sie nimmt Feuchtigkeit auf und gibt sie wieder an die Umgebung ab – man kann sie also gut „lüften“. Schmutz lässt sich nach Antrocknen meistens durch Klopfen oder Schütteln entfernen, er dringt nicht in die Faser ein, sondern haftet ihr nur äußerlich an. Kurz: Kleidung aus reiner Wolle müssen eigentlich nur äußerst selten gewaschen werden. Falls doch – bitte beachten;

Kleidungsstücke aus reiner Wolle müssen liebevoll behandelt werden: Sie vertragen keine Hitze und keine starke mechanische Bearbeitung – die Fasern schrumpfen bei solcher Behandlung und klumpen zusammen
Bekleidung aus reiner Wolle sollte man möglichst separat und von Hand, am besten in kaltem oder höchstens lauwarmem Wasser waschen und ein Spezialwaschmittel verwenden. Spezielle Wollwaschmittel haben eine leicht rückfettende Wirkung, die die Wollfaser pflegt. Beim Waschen mechanische Beanspruchung vermeiden, d. h. nicht reiben, bürsten oder wringen.
Das Wasser nur ausdrücken. Gut geht das mit einem großen, saugfähigen Tuch: Das Kleidungsstück darauf legen und zusammen mit dem Tuch aufrollen. Diese „Wurst“ kann man dann ohne Sorge kräftig wringen und das überschüssige Wasser so entfernen. Kleidungsstücke aus Wolle sollten möglichst liegend getrocknet werden. Dickes Handtuch auf den Wäschetrockner legen, Kleidungsstück darauf legen, in Form ziehen und trocknen lassen.
In der Waschmaschine sollte man Kleidungsstücke aus Wolle wirklich nur dann waschen, wenn sie das entsprechende Symbol auf dem Etikett mit den Pflegehinweisen haben. Und auch dann nur im „Wollwaschgang“. Und möglichst nicht im Wäschetrockner trocken. Sollte es einmal unumgänglich sein, dann nur schonend und bei niedriger Temperatur, d. h. im Pflegeleicht- oder Synthetikprogramm. Tennisbälle nicht vergessen! – s. o.
Nie in der prallen Sonne trocknen!

Kleidung aus Wolle braucht eigentlich nicht gebügelt zu werden (Pullover, Jacken, Socken, Handschuhe u. ä.) Bestenfalls kann das bei einer Kammgarnhose mal erforderlich sein, z. B. um die Bügelfalte zu pressen. In diesem Fall nur mit einem feuchtem Tuch oder viel Dampf bei leichter Hitze bügeln.

 

Über die Herkunft und Eigenschaften der Stoffarten

Leinen

Bereits 5.000 v. Chr. wurden in Ägypten und Babylon Flachsfasern in großen Stil angebaut. Und noch bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts war Leinen neben Wolle das am weitesten verbreitete Tuch zur Herstellung von Kleidung.
Die Leinenfasern werden aus den Stängeln der einjährigen Flachspflanze gewonnen, die man im Juli und August erntet.
Da die glatten Fasern des Leinens kaum Lufteinschlüsse haben und daher nur wenig isolieren, fühlt sich der Stoff frisch und kühl an und bietet sich daher ideal für leichte Sommerkleidung an.
Außerdem ist Leinen auch sehr saugfähig, wodurch der Schweiß absorbiert und die Klimaregelung des Körpers bei heißen Temperaturen unterstützt wird.

Baumwolle

Die erste Kunde von indischer Baumwolle gab bereits um 450 vor Chr. der griechische Geschichtsschreiber Herodot. Durch die Araber verbreitet sich die Pflanze auch in Europa, besonders in Spanien und Italien.
Die Blütezeit der Baumwollindustrie begann in England Ende des 18. Jahrhunderts mit der Entwicklung der Spinnmaschine.
Baumwolle ist ein kraut- bis strauchartiges Malvengewächs und trägt gelbe Blüten, wobei das Samenhaar der Baumwolle der wichtigste pflanzliche Teil zur Weiterverarbeitung darstellt, da aus ihm die eigentliche Spinnfaser erzeugt wird. Baumwollkleidung liegt sehr angenehm auf der Haut, ist strapazierfähig und Bekleidung daraus recht haltbar.

Baumwollsamt

Der Name Samt satmmt von dem Wort Sammet (griech. hexamiton, sechsfädig) und wird auch Velours genannt. Samt ist ein Gewebe mit stehenden, kurzen Fäden. Beim Weben werden  Schlingen gebildet. Diese Schlingen werden anschließend  aufgeschnitten und so ergibt sich eine veloursartige, samtig-weiche Stoffoberfläche. Es ist ein aufwändiger Herstellungsprozess, das erklärt den Preis für echten Samt.

Baumwollfilz

Filz ist ein Vliesstoff aus Wolle oder anderen textilen Fasern. Die gereinigte und gekämmte Rohwolle oder andere Fasern wird bis zum Vlies aufbereitete und eventuell gefärbt. Die Fasern werden dabei durch Filzen und Walken in einen festen Stoff gewandelt bei dem die einzelnen Fasern miteinander ungeordnet verschlungen sind. Filz ist wind- und kältehemmend, wärmend und zugleich feuchtigkeitsabweisend. Wollfilz hat diese Eigenschaften in höherem Maße.

Schurwolle

Die Bezeichnung Schurwolle drückt aus, dass es sich um die von einem lebenden Tier stammende, natürliche Wolle handelt. Es ist also keine Faser aus einem Recyclingprozess, dann wäre es einfach „nur Wolle“.
Wolle zeichnet sich durch die hervorragende Thermoregulations-Eigenschaft aus. Die Wollfaser kann im Inneren Wasserdampf aufnehmen, wobei die Oberfläche Wasser jedoch abstößt.
Schurwolle kann bis zu 33 % ihres Trockengewichtes an Wasser aufnehmen, ohne sich feucht anzufühlen. Da Wollwaren in Bezug  auf ihr Gesamtvolumen aus bis zu 85 % Luft bestehen, wärmen sie sehr gut. Wolle nimmt auch Schmutz nur schlecht an und knittert kaum, da die Faser sehr elastisch ist. Zudem ist Wolle sehr farbbeständig und bleibt lange frisch und leuchtend.

Kleidungsstücke aus reiner Schurwolle brauchen dank dieser Eigenschaften eigentlich kaum einmal gewaschen zu werden! Einfach auf den Bügel und an die frische Luft hängen! Grobe Schmutzpartikel nach dem Trocknen einfach abbürsten.

 

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3 Gedanken zu “Waschanleitung für edle Stoffe

  1. Darf eine Anzugshose mit Wolle Leinen Gemisch mit der nötigen Vorsicht gewaschen werden? Ich weiss üblich wäre Reinigung.
    FG M.Th. Schneider

  2. Darüber habe ich immer nachgedacht, woher kommen alle diese Dinge, die wir gedankenlos alltäglich benutzen. Super Artikeln, sehr informativ! Vielen Dank für deine Mühe!
    LG
    Geo

  3. Wie du schon geschrieben hast sollte man beim Trocknen und Waschen dieser Materialien auf niedirge Temperaturen achten sonst kann es ein böses Erwachen geben 🙂

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