Wissenswertes über Runen

Über Herkunft und Gebrauch der Runen bei den Germanen und Wikingern.

Als Runen bezeichnet man die ältesten Schriftzeichen der Germanen. Sie gehen auf die große „phönizische“ Familie der Alphabete aus dem Gebiet des Libanon und Syriens zurück, zu der alle heutigen Schriftarten in Europa und selbst die hebräische, arabische und die indischen Schriften zählen.

Von den Zügen der Kimbern ist ein  Helm mit Runeninschrift bekannt, der so genannte Helm B von Negau, der eine Verwendung der germanischen Runen bereits vor dem Jahre 110 v. Chr. belegt, die daher vermutlich eine Entwicklung aus der griechischen, westgriechischen oder etruskischen Schrift war. Die früher angenommene Entwicklung aus der lateinischen Kapitalschrift gilt heute als nicht mehr tragbar.

Die eckige Form der Runen unter  Vermeidung waagerechter und krummer Linien macht deutlich, daß Runen insbesondere zum Einritzen in Holz gedacht waren.

Das älteste Runenalphabet, das sogenannte Futhark, benannt nach den ersten sechs Buchstaben des Runen-Alphabets, bestand aus 24 Zeichen:

f u th a r k g w h n i j eu p z s t b e m l ng o d

Mit einigen Abweichungen war dieses Runen-Alphabet auch bei den Nordgermanen, Angelsachsen und Südgermanen verbreitet und war somit allen germanischen Stämmen gemeinsam.
Das gemeingermanische Runen-Alphabet wurde bei den Angelsachsen im Laufe der Zeit durch weitere Zeichen erweitert und bei den Skandinaviern reduziert, so dass im jüngeren Futhark nur noch 16 Zeichen auftraten:

f u th o r k h n i a s t b l m y

Zuletzt kamen in später Zeit noch 7 neue Sprossformen, die so genannten punktierten Runen zum Alphabet hinzu. Die Runen wurden zum einen als Schrift zur Kommunikation verwendet, zum anderen hatten sie auch magische Bedeutung.

Im Götterlied der Lieder- Edda wird zum Beispiel berichtet, wie der Göttervater Odin sich selber opfert und neun Tage als Gehenkter in einem Baum verbrachte, bevor er Kenntnis von der Macht der Runen gewann und sich befreien konnte. Die magische Kräfte der Runen werden ebenfalls in der Edda beschrieben und 18 verschiedene Zaubersprüche genannt.

Auch in der Germania des römischen Schriftstellers Tacitus ist ein Bericht über das Runenorakel entalten. So streute der Gode mit Runen beschriebene Stäbchen aus Holz auf ein weißes Tuch, hob auf gut Glück drei dieser Stäbchen hoch und deutete diese.

Der Namen Runen kommt von „Raunen“ bzw. „Geheimnis“ und unterstreicht so die magische Bedeutung, da die Germanen den Runen einen geheimnisvollen Einfluss auf Personen und Gegenstände zuschrieben. So wurden Runen nicht nur zur Weissagung im Losorakel und zum Zauber gebraucht, sondern fanden sich auch auf vielen Gegenständen, denen eine besondere Wirkung zukommen sollte, wie Schwerter und Messer.

Insbesondere im Norden ist die Verwendung der Runen für magische Zwecke gut bezeugt. So gab es Zauberrunen für bestimmte Zwecke: Siegrunen versprachen Heil in der Schlacht, Bergerunen halfen bei der Geburt, Seerunen schützten auf See, Löserunen gaben Trost in der Gefangenschaft, Beschwörungsrunen ließen die Schwerter der Gegner stumpf werden.

Als zusammenhängende Schrift im heutigen Sinne sind die Runen von den Südgermanen und den Angelsachsen hingegen nur in sehr geringem Umfang gebraucht worden. Die wenigen erhaltenen Runendenkmäler sind allenfalls Schmuckgegenstände, die durch die Beschriftung mit Runen den Wert von Amuletten erhielten, und natürlich Waffen aller Art.

Bei den Nordgermanen in Skandinavien, wo die lateinische Schrift erst recht spät Einzug gehalten hatte, wurden Runen hingegen sehr ausgiebig gebraucht, besonders für Grabinschriften auf Runensteinen. Die Schrift geht dabei entweder von links nach rechts oder umgekehrt und zuweilen sogar in beiden Richtungen abwechselnd.

Die Inschriften im kürzeren Futhark beginnen frühestens um 800 n. Chr. Der Gebrauch der Runen als Schrift für literarischen Gebrauch blieb dennoch selten. Das wichtigste literarische Denkmal für den Gebrauch der Runenschrift ist der so genannte Codex Runicus aus dem 14. Jahrhundert, der das  schonischen Recht enthielt. Auf Kalenderstäben oder im Handlesverkehr wurden Runen in Skandinavien hingegen noch bis in das hohe Mttelalter gebraucht.

Mythen und Sagas wurden bei den Germanen und Wikingern mündlich überliefert, so war es nicht nötig Runen zu literarischen Zwecken nutzen. Doch die große Verbreitung von Runen-Inschriften macht deutlich,dass zumindest in der Oberschicht ein recht großer Teil der Menschen Runen lesen und schreiben konnte, denn die Runen dienten durchaus auch recht profanen Zwecken wie Besitzmarken, mit denen Handelswaren und das persönliche Eigentum gekennzeichnet wurden, oder für geschäftliche oder persönliche Mitteilungen.

Überlieferte Runen-Alphabete

Älteres Futhark

Gotisches Futhark

Dänisches Futhark

Schwedisches Futhark

Norwegisches Futhark

Mittelalterliches Futhark

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2012

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2 Gedanken zu “Wissenswertes über Runen

  1. Es ist falsch, dass die Runen auf die große „phönizische“ Familie der Alphabete aus dem Gebiet des Libanon und Syriens zurückgehen, zu der alle heutigen Schriftarten in Europa und selbst die hebräische, arabische und die indischen Schriften zählen.
    Diese Annahme ist völlig falsch. Ich weiß wovon ich rede, weil ich die Grundlagenbücher für diese Behauptungen aus dem 20. Jahrhundert gelesen habe und selbst Forschungen betrieb.
    Die Ähnlichkeiten zwischen einigen Runenzeichen und z.B. Zeichen der Phönizier, bedeuten nicht, dass das Phönizische die Grundlage für die Runezeichen sind. Sondern, es bedeutet, dass einige Alphabete und die Runen aus der selben Grundform abgeleitet wurden, die Bestanteil der „Heilige Geometrie“ ist und die auf der ganzen welt verbreitet ist, weil sie durch Naturbeobachtungen erkannt werden kann.
    Die Unkenntnis der Universitätswissenschftler über diese Zusammenhänge führt dann zur Abschreibthese von den Phöniziern.
    Vergess einfach den Unsinn und informiere Dich richtig:
    „Runenmagie in Theorie und Praxis: Das Lehrbuch der Meister, ISBN: 9783944623009“

    LG

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