Der Thorshammer

Der Thorshammer zur Zeit der Wikinger

Der Thorshammer ist die mit Abstand bekannteste Form wikinger-zeitlichen Schmucks aus vorchristlicher Zeit. In zahlreichen Siedlungen und Gräbern aus der späten Wikinger-Zeit wurden Miniaturhämmer gefunden, die das Symol des nordischen Gottes Thor waren. Dabei wurden sowohl ganz schlichte Thorshammer-Anhänger aus einfachen Materialen wie Zinn und Bronze, als auch prachtvolle Meisterwerke in Gold und Silber gefunden.

Als nämlich das Christentum auch im Norden auf dem Vormarsch war und sich zunehmend in den Gebieten der Wikinger ausbreitete, wurde es dort unter den Altgläubigen Sitte, sich als Ausdruck ihres Glaubens einen Thorshammer um den Hals zu hängen. So distanzierte man sich für alle sichtbar vom Christentum, wie auch die Christen sich mit dem Tragen des Kreuzes vom Heidentum abheben wollten.

Zwischen diesen beiden Extremen gab es in dieser Phase des religiösen und gesellschaftlichen Umbruchs aber auch Formen von Thorshämmern, bei denen es nicht so ganz deutlich war, ob es sich nun um ein Kreuz oder einen Thorshammer handelte. So wie es der Wolfskreuz-Mjoelnir von Fossi auf Island um 1000 n. Chr. zeigt.
Mag sein, dass sich der Träger beider Kräfte versichern wollte oder noch zwischen den Religionen schwankte. Vielleicht gehörte das Amulett auch einem Händler, der mit beiden Parteien Handel trieb und es sich mit niemandem verscherzen wollte…

Bezeichnenderweise ist auch eine Gußformen aus der Wikingerstadt Haithabu bei Schleswig gefunden worden, mit der man gleichzeitig Thorshämmer und Kreuze gießen konnte.

Der nordische Name für den Thorshammer war Mjöllnir, er wurde aber auch als Mjölnir, Mjolnir, Mjölner, Mjølner oder Mjölnar bezeichnet. Alle diese Namen bedeuten in etwa Zermalmer, Zerschmetterer oder Blitz. Denn mit dem Mjölnir bekämpfte Thor die Feinde der Götter, allen voran die Riesen, und am Ende der Welt im Ragnarök die Midgardschlange.

Warf Thor seinen Hammer, so blitzte es am Himmel, der Mjölnir flog von ganz alleine in die Hand Thors zurück und der von Ziegen gezogene Streitwagen Thors ließ den Himmel donnern. Nicht umsonst war Thor auch als Donnergott bekannt und hieß bei den Südgermanen Donar, was der Donnerer bedeutet.

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Der Mjölnir war einst von den Zwergen Sindri und Brokkr geschmiedet worden, damit Thor mit ihm gegen die Riesen kämpfen konnt, die ein Sinnbild für die chaotischen und zerstörerischen Naturkräfte sind, denen die Menschen seit jeher ausgeliefert waren. So sorgte Thor für Ordnung in der Natur und hielt das Gleichgewicht aufrecht. Eine Eigenschaft, für die ihn viele Menschen verehrten.
Der Thorshammer ist aber nicht nur eine Waffe, denn mit dem Mjölnir wurde auch die Ehe gesegnet, indem man der Braut einen Thorshammer in den Schoß legte, damit die Ehe fruchtbar würde. Auch galt Thor als Beschützer der Reisenden und war der Gott der Bauern, denn er sorgte für gutes Wetter und gute Ernten.Auf Runensteinen der Wikinger-Zeit ist häufig zu lesen: „Thor weihe diese Runen“ und zuweilen war auch nur ein Hammer abgebildet.-

Schon auf den Felsbildern der skandinavischen Bronzezeit sind vielerorts Hammer-Symbole zu finden, was ein deutlicher Hinweis auf die kultische Funktion des Hammers ist. Nicht umsonst sagt(e) man auch den Schmieden magische und unheimliche Kräfte zu, sind sie doch in der Lage mittels Feuer und Muskelkraft einen Klumpen Erz in ein Werkzeug oder eine Waffe zu verwandeln! Schmiede waren bei den Wikingern ebenso verehrt, wie gefürchtet.

Das alles macht deutlich, dass Thor in der Wikinger-Zeit für die Menschen eine ungemein wichtige Rolle spielte, und er war der mit Abstand beliebteste Gott in der Wikinger-Zeit. Das lag wohl vor allem an seiner Volksnähe, denn in seinen Charakterzügen verbarg sich eigentlich genau das Bild, das wir noch heute von den Wikingern haben. In der Edda, der berühmten nordischen Handschrift aus dem 13. Jahrhundert, wird Thor als ein polternder und hitziger Gott beschrieben, zugleich aber auch als humorvoll und gutmütig und leicht wieder zu versöhnen. Den Kriegern galt er aufgrund seine Stärke als großes Vorbild, wenngleich auch Schläue und List nicht gerade seine Stärke waren.

Thor war der Sohn von Odin, dem Allvater und dem Höchsten aller Götter, und seiner Gemahlin Frigga. Thor hatte mit seiner Gattin, der Riesin Jarnsaxa, zwei Söhne, Magni und Modi. Thor herrschte im Saal Bilskinir, seinem Palast im Reich von Trudheim, wo er stolz den Gürtel Megingjardar und seinen Eisenhand Jarngreipr trug, die ihm überagende Kraft und Stärke verliehen.

Auch heute noch hat der Thorshammer nichts von seiner Bedeutung eingebüßt. Der Mjölnir beschützt auf allen Wegen, gibt seinem Träger Stärke und Kraft und sorgt für Ordnung im Leben.
Der Thorshammer ist auch heute noch das Symbol des heidnischen Glaubens und wer ihn trägt, der bekennt sich zu seinen nordischen Wurzeln, seiner Gesinnung oder er will einfach gegen gegen das Christentum Stellung beziehen.
Ohne dabei rechtem Gedankengut anhängen zu müssen, ist das Tragen eines Thorshammers ganz einfach Ausdruck der Verehrung einer großartigen Epoche der europäischen Geschichte und Kultur.

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2010

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11 Gedanken zu “Der Thorshammer

  1. Sehr schöner Artikel, Peer.
    Der Vollständigkeit halber sollte aber noch erwähnt werden, dass Thorshämmer fast ausschließlich in Frauengräbern gefunden wurden und man anhand der Fundlage davon ausgehen kann, dass er von Männern kaum getragen wurde.
    LG
    Holger

    • Hallo Holger,

      stimmt, da hast Du ganz recht. Das hätte ich noch erwähnen können.
      Seltsam ist das allerdings schon, hast Du eine Idee, woran das gelegen haben könnte, dass der Thorshammer bei Männern nur wenig verbreitet war? Vielleicht hat das ja tatsächlich weniger was mit dem Glauben, sondern mit der segenspendenen Wirkung des Thorshammer zu tun. Ähnlich, wie in der römischen Antike, wo man sich als Segensspender fliegende Pimmel umgehängt hat, ohne das das mit Sexualität im eigentlichen Sinne in Verbindung gebracht wurde.
      Grüße, Peer

      • Hi, man hat wie in der Edda überliefert wird ja bei der Hochzeit der Braut einen Thorshammer in den Schoß gelegt, um die Ehe zu segnen, vielleicht hängt es damit zusammen, dass der Mjoelnir als Schmuck hauptsächlich in Frauengräbern anzutreffen ist.
        Es gibt aber durchaus auch Funde von Thorshammern in Männergräbern, wenn auch nicht so häufig.

  2. Also ich kenne jemanden, der seit langer Zeit Wikinger-Reenactment praktiziert und über ein beachtliches Fachwissen verfügt. Ich denke, er würde entgegnen, dass der Gott Thor zwar als bedeutender und sehr verehrter Gott galt, Symbole zu tragen wie den Thorshammer aber wohl eher im Interesse der Frauen lag. Auf die Wikinger bezogen weiß ich, dass diese entweder den Glauben an Odin verleugnet haben sollen (angeblich) oder aber im Augenblick ihres Todes seinen Namen riefen. Vielleicht war es auch einfach nicht Sitte, dass Männer, die einen Mjölnir trugen mit diesen auch bestattet wurden, sondern dass deren Witwen den Mjölnir des verstorbenen Gatten trugen und in Ehren hielten ?

    • Vielleicht haben sich Frauen auch einfach generell mehr für Religion interessiert und sich daher einen Thorshammer umgehangen. Es waren ja auch eher die Frauen, die später die Lehre Christi im Norden als erste en vouge gemacht haben. Am natürlichen Schmückbedürfnis der Damenwelt wird es wohl eher nicht gelegen haben, die Herren liefen in der Wikingerzeit ja auch recht üppig behängt herum. Wer weiß mehr darüber, hat jemand noch eine Idee, weshalb der Mjoelnir als Schmuck fast nur in Frauengräbern zu finden ist?

      • Möglicherweise war der Thorshammer so etwas wie die „dog-tags“ von heute. Wenn ein Mann gestorben ist würde sein Thorshammer seiner Frau gebracht. Vielleicht auch damit, wie bereits geschrieben, sich die Gefährten im Jenseits wieder sehen, da der Hammer immer zu seinem Besitzer zurückkehrt.

  3. Seyed Gegrüszt,
    Meiner Meinung nach wurde der Hammer von Frauen getragen, auch beim Übergang ins Reich der Toten, weil der der Hammer immer zu seinem Besitzer zurückkehrt. Somit war sichergestellt, das man sein Weib auch im Totenreich wiederfand

  4. Hallo Zusammen,

    Frage
    wo ist denn die Quelle für

    „Schon auf den Felsbildern der skandinavischen Bronzezeit sind vielerorts Hammer-Symbole zu finden, was ein deutlicher Hinweis auf die kultische Funktion des Hammers ist“
    -> das steht ähnlich auch so im Brockhaus aber z.B. bronzezeitliche Felsbilder finde ich nicht.

    und

    „Thorshämmer fast ausschließlich in Frauengräbern gefunden wurden und man anhand der Fundlage davon ausgehen kann, dass er von Männern kaum getragen wurde.“
    -> Finde nix dazu 🙁

    Gruß

  5. Ein Aspekt wäre auch, dass im niederen Volk wohl
    eher aus Holz und Horn geschnitzte Hammer getragen
    wurden, welche die Jahrhunderte nicht überlebten.
    Silber und Gold war nur den höherrangigen Germanen
    und Wikingern vorbehalten. Es sei denn, in einer Schlacht wurde genug Silber erbeutet, aus dem sich ein schöner Hammer fertigen lies.

  6. Ein Professor mutmaßte einst, dass sich das Symbol nur deshalb in Frauengräbern befand, weil die Begrabene sich zu Lebzeiten einen Ruf als starke Kriegerin gemacht hatte und mithilfe des Hammers auch in Walhalla zutritt hatte. Quasi als Penis-Ersatz. Diese Vorstellung finde ich gerade in Hinsicht auf meine unzähligen Metaller-Kollegen, die allesamt mit ebenjenem tätowiert sind, ziemlich amüsant 😉 na, reicht dein eigener nicht? 😉

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