Der Drache im Mittelalter

Der Drache in der Mythologie des Mittelalters

Dem Drachen kommt seit dem Altertum in vielen Kulturen der Menschheit eine zentrale Bedeutung in der Mythologie zu. In den westlichen und orientalischen Schöpfungsmythen gilt der Drache als Sinnbild des Chaos. Er ist ein furchtbares Ungeheuer, das die Leben spendenden Wasser verdrängt, und das droht Sonne und Mond zu verschlingen. Als Sinnbild des Teufels war er eine monströse und ausnehmend hässliche Erscheinung. Der Drache wird im Kampf von einem Helden oder Gott besiegt, so dass die Welt weiterbestehen kann.
Im Gegensatz hierzu ist der ostasiatische Drache ein Wesen mit eher positiven Eigenschaften, und er wird noch heute als Regen- oder Glücksbringer und als Symbol für Fruchtbarkeit verehrt. Die ältesten Darstellungen von Drachen finden sich auf sumerischen Rollsiegeln aus der Uruk-Zeit und zeigen die sogenannten Mischwesen, die in einer großen Zahl das Bilderrepertoire des alten Orients bevölkerten.

Nimmt man alle Variationen der bis heute verbreiteten Drachenbilder zusammen, dann ist ein Drache – das Wort leitet sich her von lat. „Draco“ bzw. griechisch „Drakon“ –  eine starr blickendes Schlangenwesen mit gespaltener Zunge. Der Drache kann Feuer speien und in ihm verbinden sich Merkmale und  Eigenschaften von Reptilien, Vögeln und Raubtieren. Der Drache war oftmals auch mit Adlerklauen, Löwenpranken und Flügeln versehen oder hatte als Schlangenwesen nur zwei oder gar keine Beine. Dem Kriechdrachen stand der geflügelte Drache gegenüber, zumeist mit fledermausartigen Schwingen. In der Antike war die Darstellung als mehrköpfige Schlange verbreitet, meist mit drei oder sieben Häuptern, zuweilen in Form eines Löwen, Panther oder Wolfes. Oft war der Körper des Drachen geschuppt und mit einer unverwundbaren Panzerhaut bedeckt. Weitere Attribute sind sein giftiger Atem, grünes Blut und ein vernichtender Blick.

Der chinesische Drache vereint in sich die Attribute neun verschiedener Tieren: So sitzt auf einem langen Schlangenhals der Kopf eines Kamels mit den Hörnern des Rehbocks und den Ohren der Kuh, der Hinterleib gleicht einer Muschel und seine Schuppen denen der Fische.  Hinzu kommen die Klauen des Adlers, die Augen der Katze und die Tatzen des Tigers. Zudem ist der asiatische Drache auch in allen vier Elementen zugegen, Erden, Luft, Wasser und Feuer, denn er kann kriechen, fliegen, schwimmen und Feuer speien.

In der europäischen Antike war der Drache hingegen vor allem Schreckensbild und Herrschaftssymbol. So übernahmen die römischen Legionen die sogenannte Dracostandarte, eine Fahne in Drachenform, als Feldzeichen von den Dakern, einem thrakischen Volk, das seit dem 5. Jhdt. v. Chr. im westlichen Schwarzmeergebiet siedelte. Die römischen Kaiser führten eine purpurfarbene Drachenfahne, die ihnen in der Schlacht und bei Feierlichkeiten vorangetragen wurde. Das Mittelalter übernahm den Drachen als Heerzeichen und führte diese Symbolik auf Fahnen, Wappen, Schildern und Helmen bis in die Neuzeit fort.

Das heutige Bild des geflügelten, feuerspeienden Drachens setzte sich in Europa erst im Laufe der Karolingerzeit durch. Er galt einerseits als Verkörperung des Teufels, war andererseits aber gleichzeitig auch ein Symbol für Wachsamkeit, Klugheit und Stärke. Im Hochmittelalter wandelte sich das Bild des Drachen schließlich zu einem Motiv des christlichen Kampfes gegen das Böse und die Erbsünde, und zuweilen wurde selbst die Schlange im Paradies in Drachengestalt dargestellt. Auf mittelalterlichen Gemälden fahren die Teufel in Form kleiner Drachen aus den Mündern der Besessenen heraus, drachenartige Dämone zieren Taufbecken und Wasserspeier. Und insgesamt sind um die 60 Drachenheilige bekannt. Der bekannteste ist sicher der Heilige Georg, der seine Lanze im Kampf gegen das Untier erhebt. In der Artussage, besonders aber im Sagenkreis um Dietrich von Bern, wurde der Kampf mit dem Drachen zu einem festen Bestandteil des heroischen Lebenslaufes – denn mit dem Sieg über den Drachen errettet der Held eine Jungfrau oder gar ein ganzes Land, verdiente sich einen Schatz und bewies seinen Mut.

oseberg DrachenkopfDoch nicht nur im christlichen Kontext war der Drache von Bedeutung. Eine ebenso herausragende Stellung nahm das Bild des Drachen in der Bildkunst der Wikingerzeit ein. So verzierten Drachenköpfe zum Beispiel Runensteine und Kirchen, Waffen und Schmuckstücke. „Drache“ nannten die Wikinger das Langschiff, und auch in der germanischen Literatur wird der Drache seit dem 8. Jahrhundert besonders in der Heldendichtung oft erwähnt. Das altenglische Epos Beowulf berichtet von kriechenden oder fliegende Drachen. Die Germanen hatten die Vorstellung von einem fliegenden Ungetüm, dem Lindwurm, der im Nibelungenlied heidische und christliche Vorstellungen miteinander verschmolz. Aus der nordischen Mythologie ist die Midgardschlange und Nidhöggr, der Drache, der an der Weltenesche nagt, bekannt.

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2012

Bildnachweis Wikipedia

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