Über den Zinnguss

Über den handwerklichen Zinnguss in der Geschichte

Was ist eigentlich Zinn?
Zinn ist ein silberweißes Metall, welches in reinem Zustand recht weich, dehn- und wälzbar ist. Aufgrund dieser hervorragenden Eigenschaften wird es seit Urzeiten sehr geschätzt, denn Zinn ist nicht nur nicht toxisch, sondern auch korrosionsbeständig und schön anzusehen. Zinn wird häufig in Legierung mit anderen Metallen eingesetzt, wobei die wichtigsten Legierungen Lötzinn, Bronze und Hartzinn sind.

Zinn ist daher nicht umsonst eines der am frühesten von den Menschen genutzten Metalle. Durch den niedrigen Schmelzpunkt von ca. 230 Grad Celsius läßt es sich sehr leicht schmelzen und weiter verarbeiten.

Der seidenmatte Glanz, der bei der handwerklichen Fertigung entsteht, kann bei regelmäßigem Gebrauch tatsächlich über mehrere Generationen anhalten, denn wenn man Zinnartikel bei der täglichen Nutzung wie normales Geschirr in heißem Wasser und mit üblichem Reinigungsmittel reinigt, wird die Oberfläche automatisch immer wieder auf Glanz gebracht. Graues Zinn entsteht nämlich nur durch Oxidation mit der Luft bei Nichtbenutzung. Zinngerät sollte also regelmäßig benutzt werden, um seine Schönheit zu erhalten!

Zinn ist völlig geschmacksneutral und weist sogar eine antiseptische Wirkung auf.
Heutiges Lebensmittelzinn ist völlig frei von Blei, welches man im Altertum den Zinnwaren häufig beigemischt hat. Dennoch ist auch damals niemand an diesem Bleizinn gestorben, denn  heute nehmen wir allein beim Atmen im Straßenverkehr mehr Blei auf, als man jemals durch das Trinken aus einen Zinn-Blei-Pokal hätte aufnehmen können.
Die berühmten Bleivergiftung der Römer beruhen vielmehr darauf, dass damals der Wein mit Bleizucker gesüßt wurde, dem „Viagra des Altertums“, was jedoch leider nicht nur eine süßende, sondern auch eine verheerende Wirkung hatte…

Zinn in der Geschichte

Die Verwendung von Zinn ist spätestens seit 3500 v. Chr. bekannt, denn es gibt aus dieser Zeit bereits Bronzefunde aus dem Südkaukasus.  In Mittelasien wurde schon seit dem 2. Jahrtausend v. Chr. an der Route der späteren Seidenstraße Zinn in größerem Maße in regelrechten Bergwerken abgebaut und auch in einem ägyptischen Grabmal um 1500 v. Chr. wurden Gegenstände aus Zinn gefunden. Aus Homers „Ilias“ wissen wir, dass Achilles Beinschienen aus Zinn getragen hatte.
In Mitteleuropa tauchen erste Gegenstände aus Zinn um etwa 1800 v. Chr. auf. Leider sind nur sehr wenige Exponate erhalten geblieben, denn Zinn wurde dank seiner Materialeigenschaften oftmals einfach eingeschmolzen und wieder verwendet. Und auch „Zinnpest“ und Zinnkorrision trug ihren Teil dazu bei, dass Gegenstände aus Zinn in feuchter, kalter Umgebung zerfielen und nicht bis heute erhalten blieben.

Durch die Legierung mit Kupfer und Zinn ensteht Bronze. Diese ist wesentlich härter als Zinn und vielfältiger einsetzbar. So gelangte Zinn in der Bronzezeit für die Bronze-Herstellung zu sehr großer Bedeutung und wurde schon früh über weite Strecken gehandelt.
Die hohe Nachfrage nach dem kostbaren Zinn dürfte auch ein wichtiger Grund für die Besetzung der britischen Insel durch die Römer gewesen sein, denn im südwestlichen Cornwall befanden sich seinerzeit und befinden sich noch heute bedeutende Zinn-Vorkommen.

In der griechischen und römischen Antike wurde besonders Tischgerät und Geschirr aus Zinn gefertigt, es wurden Spiegel aus blankpoliertem Zinn gearbeitet und verzinnte Münzen hergestellt.

In den Wirren der Völkerwanderungszeit kam es zum Erliegen der weitverzweigten Handelswege und die Verbreitung von Zinn nahm erheblich ab. Die Verarbeitung von Zinn beschränkte sich für mehrere Jahrhunderte auf die Fertigung sakraler Gegenstände in klösterlichen Werkstätten. Erst ab dem späten Mittelalter wurde Zinn schließlich wieder in größerem Umfang auch für Tafelgeschirr wie Teller, Humpen und Besteck verwendet. Aus dieser Zeit ist eine reiche Anzahl kunstvoll gefertigter Zinn-Gegenstände erhalten.

Die Verwendung von Zinn im Mittelalter

Seit dem 12. Jahrhundert war die Verwendung von Zinn auch im profanen Bereich mehr und mehr üblich, und spätestens seit dem 13. Jahrhundert wurden eine viele Gerätschaften aus Zinn gefertigt, vor allem Zinnlöffel und Tafelgeschirr, aber auch Flaschen, Leuchter, Nachttöpfe, Schmuckstücke und Pilgerabzeichen. Spiegel fertigte man im Mittelalter indem glatte Kupferscheiben verzinnt wurden.

Neben den reichen Zinnvorkommen in Cornwall wurde Zinn im Mittelalter auch aus Spanien und dem Fichtelgebirge bezogen, und das kostbare Material wurde über weite Strecken in ganz Mitteleuropa gehandelt.

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Wo wird Zinn heute noch gebraucht?
Profiköche schätzen verzinnte Kupferpfannen und -töpfe insbesondere wegen der gleichmäßigen, schnellen Temperaturleitung und wegen der geschmacksneutralen Zubereitung. In vielen Haushalten finden sich Keksdosen und Backformen oder Pfannen, Töpfe oder aus verzinntem Stahlblech, dem sog. Weißblech, das auch für Konserven- und Getränkedosen benutzt wird. Zinn verleiht Orgelpfeifen einen sauberen Ton und der Klang von Kirchenglocken entsteht erst durch den hohen Zinnanteil im Gussmaterial.

Zinn begegnet uns auch in Form von Lötzinn für Trinkwasserleitungen, die hohe Anforderungen an Korrosionsbeständigkeit und gesundheitliche Unbedenklichkeit erfüllen müssen.

Der Zinnguss in einzelnen Schritten
– Die Gussform wird in einem Bad auf die gleiche Temperatur gebracht, wie das flüssige Zinn.
– Die Guss-Form wird mit einem nassen Pinsel gesäubert.
– Mit einem Gießlöffel wird das flüssige Zinn eingefüllt.
– Mit einem nassen Lappen wird die Form vorsichtig gekühlt.
– Da flüssiges Zinn beim Erstarren „schwindet“, also weniger wird, wird in Abständen nachgegossen.
– Wenn das Zinn erstarrt ist, wird der Anguss mit dem nassen Pinsel extra abgekühlt.
– Der Guss wird mit einem Hammer aus der Form herausgeschlagen.
– Der Anguss wird an einer Säge entfernt und mit einer Stahlklinge komplett begradigt.
– Das Gussteil wird mit Bimsstein versäubert und plan geschliffen.
– Nach dem Schleifen wird mit einer Messingbürste der Bims wegpoliert.
– Zuletzt wird das gegossene Werkstück durch Polieren auf Ganz gebracht.
Damals wie heute – viele Arbeitsschritte bis ein schöner Alltagsgegenstandes aus Zinn entstanden ist!

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2011
Bildnachweise: Wikipedia

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Ein Gedanke zu “Über den Zinnguss

  1. Zinn wieder zum Glänzen bringen:
    Der Tipp mit heißem Wasser und Spülmittel ist im Prinzip richtig, aber – es muss lange genug dauern, d. h. mindestens 10 Minuten, und das Wasser muss während der ganzen Zeit heiß bleiben, also immer schön kochendes Wasser nachgießen. Allerdings Vorsicht – gelötete Stellen können sich lösen!

    Eine Alternative ist das Putzen bzw. Polieren mit feinen Poliermitteln. Der Ackerschachtelhalm heißt nicht umsonst Zinnkraut, damit wurde von alters her das kostbare Zinn poliert. Stängel anwelken lassen, wie Putzwolle zu einem Knäuel knüllen und damit den Zinngegenstand polieren. Der hohe Kieselsäuregehalt wirkt als feines Poliermittel. Geht auch gut mit einer halbierten Kartoffel, hier ist es die Kartoffelstärke, die in der „Polierpaste“ wirkt.
    Empfehlung: Was täglich in Gebrauch ist, einfach ausreichend heiß spülen, gerne auch im Spülwasser eine Zeitlang liegen lassen. Alles, was nicht so häufig benutzt wird oder eher ein Ziergegenstand ist, gelegentlich heiß spülen und evtl. anschließend zusätzlich mit Zinnkraut oder Kartoffel polieren.

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