Fibel-Typologie 3

Die Entwicklung der europäischen Fibeltypen von der Bronzezeit bis zum Mittelalter – Teil 3

Die Fibeln der römischen Eisenzeit (0 und 400 n. Chr.)


Die Knickfibel

Aus der spätkeltischen geschweiften Fibula entwickelte sich der Fibeltyp der römischen Knickfibel, die sich sowohl in der römischen Provinz wie im freien Germanien verbreitete.
Die Knickfibel war üblicherweise aus Bronze gefertigt und ist nach ihres scharfen Bügelumbruch benannt, der sich deutlich von vorhergehenden Fibula-Typen unterscheidet. Das Hauptverbreitungsgebiet der Knickfbel lag im Rheingebiet und der Maas- und die Moselgegend, sie fand sich aber auch in Räthien und dem Nordseeraum und war etwa zwischen 10 v. bis 50 n. Chr. in Mode.

Römische Knickfibel

Die Doppelknopffibel

Die Doppelknopf-Fibula entwickelte sich aus den Fibeltypen der keltischen Spätlatènezeit und ist im 1. und 2. Jh. für die römischen Provinzen Noricum und Pannonien typisch, also dem heutigen Österreich und westlichen Balkan.
Namen gebend für die sogenannte norisch-pannonisch-doppelknopf-Fibula sind die beiden knopfartigen Verdickungen auf dem Bügel der Fibel.
Der Nadelhalter ist häufig stark ausgeprägt und kann mit großen Durchbrüchen versehen oder auch punktförmig durchlocht sein.
Die Doppelknopf-Fibula waren in der Regel aus Bronze gefertigt und können zwischen 3 cm und 17 cm groß sein, wobei die Flügelfibeln sogar Längen bis zu 21 cm erreichen.

Doppelknopffibel

Eine weitere Form der norisch-pannonischen Fibel ist die Flügelfibel, die nur einen profilierten Bügelknopf, der von zwei Flügeln überspannt wird, die mit insgesamt zwei, drei oder vier kleinen Knöpfen verziert sind.

Flügelfibel

Die Trompetenfibel

Die sogenannte Trompeten-Fibula erinnert entfernt an Trompeten oder gebogene Signalhörner und hat ihre Hauptverbreitung in der römischen Kaiserzeit ab ca. 70 n. Chr. Sie entstand im Zuge der römischen Eroberung Britanniens ab 43 n. Chr. auf der englischen Insel.
Der Höhepunkt der Verbreitung war zum Ende des 1. bis mittleren 2. Jh. wo die Trompeten-Fibula vereinzelt auch in den römischen Zentren an Rhein und Donau zu finden ist.
Die Trompeten-Fibula tritt dabei in zahlreichen Varianten auf, darunter auch prachtvolle Exemplare mit Goldeinlagen oder Emaille-Verzierungen. Typisch ist bei vielen Exemplaren eine angesetzte Öse, die zum Einhängen einer Kette gedacht war.

Trompetenfibel

Die Fibel mit Trompetenornamentik

Eine vollständig andere Form der Fibel wird ebenfalls als Trompetenfibel bezeichnet, ist aber korrekt als Scheibenfibel mit Trompetenornamentik anzusprechen, bei der sich auf der Rückseite der durchbrochene gearbeiteten Fibelplatte ein Scharnier mit beweglicher Nadel und Nadelhalter befindet.
Diese spezielle Fibelvariante mit keltischen Wurzeln bildete sich in Britannien Mitte des 2. Jahrhunderts heraus. dessen.
Die kelto-romanische Trompeten-Ornamentik entwickelte sich zu einem beliebten Schmuckstil, der sich mit den britannischen Legionen im gesamten römischen Imperium ausbreitete.

römische Trompetenfibel durchbrochen

Eine weitere Variante der durchbrochenen Trompetenfibel ist die sogenannte Doppelvoluten-Fibula.

römische Doppelvolutenfibel 2. - 3. jh

Die Triquetra-Fibel

Ähnlich der durchbrochenen Trompetenfibel ist auch die Triquetra-Fibula eine Scheibenfibel mit keltischem Einfluss.
Sie zeichnet sich durch eine stark durchbrochene Gestalt mit drei Trompeten in Form einer Triskele aus und hat eine auf der Rückseite befestigter Nadel.

römische Triquetra Fibel mit Trompetenornamentik

Die Peltafibel

Auch die Peltafibel ist eine Scheibenfibel und besteht aus der eigentlichen Fibelplatte und einer auf der Rückseite befestigten Nadel.
Die Pelta-Fibulal war in der römischen Kaiserzeit sehr beliebt und auch in den germanischen Provinz verbreitet.
Peltaförmige Zierteile finden sich vor allem im militärischen Bereich auch häufig auch als Gürtelbeschlag und Anhänger. Für die Pelta-Fibula Namen gebend ist die aus dem Griechischen stammende Bezeichnung für den halbmondförmigen Schild.

Peltafibel

Die Swastikafibel

Eine weitere Scheibenfibel ist die Swastika-Fibula, die ab dem 2. Jh. auftritt und vor allem im Verlauf der Völkerwanderungszeit vermehrt in Mecklenburg, Dänemark, Schweden und Norwegen verbreitet war.
Die Swastika-Fibula kann sowohl rechts-, wie auch linksdrehende Spiralarme haben, die zuweilen in Pferdeköpfen auslaufen. Die Fibel war häufig auch mit Dekorationen aus gepressten Silberauflagen versehen.

Hakenkreuzfibel     römische Swastika-fbel

Die Tierfibel

Auch die Tierfibel ist eine Scheibenfibel, die in mannigfaltiger Gestalt auftritt und im 2. und 3. Jh. im römischen Gebiet sehr beliebt war.
Als Motiv für die Tierfibel dienen Hasen, Hunde, Vögel, Pferde und alles mögliche andere Getier. Möglicherweise hatte die Tierfibel auch eine kultische oder schützende Bedeutung für den Träger.

Tierfibel       Römische Tierfibel

Die Dragonesque-Fibel

Eine vollständige Eigenentwicklung stellt die sogenante Dragonesque-Fibula dar, die auf keltische Einflüsse zurückgeht.
Diese ungewöhnliche Fibula, die entfernt an ein Seepferdchen erinnert, entwickelte sich nach der römischen Eroberung Britaniens im 1. Jh. n. Chr. als romano-britische Eigenart. Typisch für die Dragonesque-Fibula sind emalierte Dekorationen.
Anders als bei den übliche Fibeln wird die stark gebogene Nadel direkt über die Fibel geführt und zur Befestigung hinter über Fibelplatte geklemmt.

dragonesque-fibel_original

Die Kniefibel

Die Kniefibel, die bereits schon in der Zeit von 550 bis 500 v. Chr. anzutreffen ist, fand in der römischen Eisenzeit im 2. bis 3. Jh. weite Verbreitung.
Die Kniefibel ist eine Unterart der Armbrustfibel, bei welcher der gedrungener Bügel am Übergang zum Fibelkopf stark abknickt und die Anmutung eines Knies oder Beines macht.
Die Spirale der Fibula wird dabei von einer eckig oder halbrunden gestalteten Kopfplatte verdeckt oder kann in eine Art Hülse eingeschlossen sein.
In hadrianischer und antoninischer Zeit wird die Kniefibel sowohl im germanisch-rätischem Gebiet als auch in Noricum und Pannonien am häufigsten von römischen Legionären verwendet und ist vereinzelt sogar noch aus alemannischer Zeit im 4. Jh. belegt, wo sie allerdings in der Frauentracht bevorzugt wurde.

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Die Kräftig profilierte Fibel

Die kräftig profilierte Fibula ist eine Form der Armbrustfibel und durch einen verhältnismäßig kurzen stark verbreiterten gekrümmten Kopf gekennzeichnet, unter dem sich üblicherweise eine Stützplatte befindet, welche die Spiralrolle hält. Sie ist üblicherweise zwischen 4 und 7 cm groß.

Bei den späteren Formen der kräftig profilierten Fibula kann die Stützplatte die Spiralrolle auch gänzlich zugedeckt sein.
Diese Fibula war während der Römerzeit eine weitverbreiteter Fibeltyp im ostgermanischen Raum, sie kommt aber auch in Norddeutschland, Oberitalien und den Ostalpen vor und war auch in den Donauprovinzen stark verbreitet.
Bei den Westgermanen in der unteren Elbegegend war besonders die Kräftig Profilierten Fibulae ohne Stützplatte verbreitet die häufig eine Zierde mit geperltem Draht aufwies
Im südlichen Skandinavien waren zeitgleich hingegen eher bandförmige Fibulae beliebt.
Der Typus der kräftig profilierten Fibula ist sehr langlebig und findet sich in Österreich noch im 4. Jh.

Kräftig profilierte Fibel

Die Augenfibel

Die Augenfibel ist eine Spielart der Armbrustfibel und der kräftig profilierten Fibel sehr ähnlich. Die Augen-Fibula war einer der in römischer Zeit am weitesten verbreiteten Fibeltypen und zeichnet sich durch zwei kreisförmige Durchbrüche am Bügelkopf aus, die als Augen angesprochen werden. Die Augenfibel war im 1. und 2. Jahrhundert im freien Germanien wie in den römischen Provinzen in Gebrauch und reicht in Variationen bis nach in Skandinavien.

Augenfibula

Die Rollenkappenfibel

Die Rollenkappefibel gehört auch in die Kategorie der Armbrustfibeln. Sie fand besonders in Norddeutschland und dem dänischen Jütland Verbreitung und ist eindeutig germanischer Herkunft. Die charakteristische Konstruktion der Bügelabdeckung war Namen gebend für die Rollenkappenfibel, bei der zwei halbrunde Kappen die Spiralen abdeckten. Ganz typisch ist auch ein als halbrunde Scheibe gestalteter Bügelknopf mit Verzierungen in Form von Perldrähten oder Kerben. Ein weiteres wichtiges Konstruktionsmerkmal ist ein Haken am Ende des Bügels, in den die Sehne der Spirale eingehängt wird. Die Rollenkappenfibel wurde vornehmlich aus Bronze und Silber, zuweilen aber auch aus Eisen gefertigt. Die älteren Rollenkappenfibeln datieren in die erste Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. und treten ausschließlich im freien Germanien auf.

Rollenkappenfibel

Weitere Unterarrten der Armbrustfibel sind die Volutenfibel, die Schwanen- oder Entenkopffibel, und nicht zuletzt die Zwiebelkopffibel.


Die Fibel mit umgeschlagenem Fuß

Die Fibel mit umgeschlagenem Fuß ist ebenfalls eine Variante der Armbrustfibeln und entwickelte sich im Laufe der Spätantike zu Beginn der Völkerwanderungszeit wo sie zwischen 200 und 400 n. Chr. ursprünglich bei den Germanen der südrussischen Gebiete verbreitet war.
Diese Art von Fibel war zweigliedrig, also aus jeweils einzeln gegossenem Bügel und Nadel gefertigt. Im Zuge der Völkerwanderung verbreitete sich der neue Fibeltypus ab dem 3. Jh. über ganz Nordeuropa und wurde zur vorherrschenden Fibelform bei den Germanen.
Eine Fortsetzunge der spätantiken „Fibel mit umgeschlagenem Fuß“ aus der Spätantike ist die Bogenfibel der Völkerwanderungszeit, deren letzte Formen sogar noch im 12. Jh. in Skandinavien nachzuweisen ist.

Fibel mit umgeschlagenen Nadlhalter römisch

Die Fibeln mit hohem Nadelhalter

In spätrömischer Zeit entstanden Mischformen aus den germanischen „Fibeln mit umgeschlagenem Fuß“ und den bei den Römern üblichen Fibeln, die als zweigliedrige Armbrustfibeln mit hohem Nadelhalter bekannt sind und bis nach Dänemark, dem Elbegebiete und Böhmen Verbreitung fanden. Skandinavische Ableger sind zum Teil überproportional ausgestaltet und mit gepressten Blechscheiben verziert.

 Fibel mit hohem NAdelhalter aus Skandinavien    Römische Fibel mit hohem Nadelhalter v


Die Aucissa-Fibel

Die Aucissa-Fibel wird auch als Scharnierfibel oder Soldatenfibel bezeichnet und bildete sich aus ursprünglich keltischen Fibeltypen heraus, wobei sie ihren Namen aufgrund des Herstellernamens „Aucissa“ erhielt, welcher sich auf manchen Originalen eingeprägt fand. Die Aucissa-Fibel entspricht dabei dem Typ 242 der Fibeltypologie nach Almgren.

Die typische Scharnierfibel war in verschiedenen Variationen seit frühaugusteischer Zeit bis zum Ende des 1. Jahrhunderts in Gebrauch und trat ähnlich wie die jüngeren Kniefibeln hauptsächlich in militärischem Zusammenhang auf, z.B. in Kastellen – daher wird die Aucissafibel häufig auch als Soldatenfibeln bezeichnet.
Die Scharnierfibel diente dazu den schweren, römischen Legionärsmantel über der rechten Schulter zusammen zu halten, weshalb sich die Aucissafibel auch durch einen besonders hohen Bügel auszeichnet, der in der Lage war, die dicken Wollschichten des  Legionärs-Mantels zu fassen.

Gegen Ende des 2. Jahrhunderts entstanden aus den Scharnierfibel Bügelfibeln mit längeren Armen, die im 3. Jahrhundert schließlich alle bis dahin verbreiteten Soldatenfibeln verdrängten, bis sich in der Endphase zum Anfang des 4. Jahrhunderts die sogenannte hieraus die Zwiebelknopffibel entwickelte.

römische Aucissafibel


Die Zwiebelknopffibel

Die Zwiebelknopffibel entwickelte sich im Laufe der Spätantike aus der Scharnierfibel und trat im 4. und 5. Jahrhundert meist im militärischen Kontext auf.
Der Name der Zwiebelknopffibel erklärt sich aus den drei zwiebelförmigen Ende des Bügelkopfes und der Querarme der Fibel.
Zwiebelknopffibeln wurden zumeist aus Messing oder Bronze gefertigt und konnten vergoldet oder mit Niello und Email verziert sein, es sind aber auch einige Exemplare aus Silber und Gold belegt.

Die Zwiebelknopffibeln wurde als Standesabzeichen ausschließlich in der spätrömischen Soldatentracht und der Kleidung der spätantiken Beamtenschaft getragen und diente dazu, einen kräftigen Wollmantel auf der rechten Schulter zu schließen.
Die Zwiebelknopffibeln war recht lange in Mode und kann noch im Grab des germanischen Merowinger-Königs Childerich Ende des 5. Jh. nachgewiesen werden.

Zwiebelkopffibel


Die Omegafibel

Die Omegafibel gehört zum Typ der Ringfibel und ist eine eigenständige Fibelkonstruktion, die weder Scharnier noch Spirale besitzt. Die bewegliche Nadel wird hier zum Verschließen durch die die Öffnung des omegaförmigen Rings der Fibel geschoben und der Ring zum Verschließen gedreht. Die Omegafibel gehört zu den am längsten und weitesten verbreiteten Fibeltypen und war bereits bei den Kelten seit 1300 v. Chr. in Gebrauch. Von Spanien aus verbreitete sich die Omegafibel über Gallien bis an den Rhein, wo sie häufig im militärischen Kontext auftaucht, da mit diesem soliden Fibel auch der schwere Wollumhang, der sogenannte Sagum, der Legionäre geschlossen wurde. Die Omegafibel wurde in römischer Zeit zumeist aus Bronze in 2 bis 6 cm Größe gefertigt war während der gesamten römischen Kaiserzeit vertreten. Sie zeichnet sich in dieser Zeit besonders durch die rückwärts weisenden Enden auf, die häufig kugelig gestaltet sind. Die Omegafibel wurde in Varianten von den Germanen noch bis zum Ende der Wikingerzeit weiter verwendet und kam erst Ende des 11. Jh. aus dem Gebrauch.

Roman omega brooch

Eine weitere Spielart der römisch-germanische Ringfibel ist mit einer eckigen Verlängerung ausgestattet und vollständig geschlossen. Stattdessen befindet sich in der Ausstülpung eine länglich Nut, durch welche die Nadel geführt werden kann. Diese Fibeln wurden besonders in der Spätantike zum Beginn der Völkerwanderungszeit getragen.

Omega Fibel

1. Die Fibeln der Bronzezeit (1500 – 500 v. Chr.)
2. Die Fibeln der keltischen Eisenzeit (500 v. Chr. – 0)
3. Die Fibeln der römischen Eisenzeit (0 – 400 n. Chr.)
4. Die Fibeln der germanischen Eisenzeit (400 – 700 n. Chr.)
5. Die frühmittelalterlichen Fibel (700 – 1000 n. Chr.) – in Arbeit

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde Mai 2014

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2 Gedanken zu “Fibel-Typologie 3

    • Das steht soweit ich mich erinnern kann so zumindest im Reallexikon der Germanischen Altertumskunde: Fibel und Fibeltracht.

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