Fibel-Typologie 1

Die Entwicklung der europäischen Fibeltypen von der Bronzezeit bis zum Mittelalter.

Einleitung

Unter Fibel, lateinisch Fibula, versteht man im Allgemeinen eine metallene Gewandschließe, die mehr oder weniger nach dem Prinzip einer Sicherheitsnadel die Kleidung verschließt.
Sehr frühe Formen von Fibeln sind bereits seit der Bronzezeit um 7000 v. Chr. bekannt und bis zum Aufkommen des Knopfes waren Fibeln in den meisten europäischen Kulturen bis ins hohe Mittelalter durchgehend in Gebrauch.
Die Fibel fand sich als elementarer Bestandteil der Gewandung insbesondere bei den Kelten, Römern, Germanen und Wikingern. Fibeln wurden aber auch von Griechen, Byzantinern, Iberern, Assyrern, Skythen und anderen östlichen Steppenvölkern getragen.

Der Begriff Fibula stammt ursprünglich vom lateinischen Wort Fibula ab, das auch heute noch den Wadenbein-Knochen bezeichnet, da man sich in grauer Vorzeit aus dem dünnen Knochen die Gewandnadeln schnitzte um die Gewandung zu verschließen.
Auch als diese Gewandnadeln längst aus Metall waren, behielt man diese Bezeichnung bei und übertrug sie auf die Weiterentwicklung der Verschlusstechnik, die nachfolgenden Gewandnadeln – die Fibeln.

Bereits im ausgehenden 7. Jh. v. Chr. wurden die bis dahin üblichen einfachen, bronzenen Gewandnadeln von der Fibel abgelöst und es entwickelte sich bald eine große Formenvielfalt, die zeitlich und regional sehr unterschiedlich ausgeprägt war. Daher spielt die Fibel heute bei der Bestimmung archäologischer Funde als Leitform eine sehr wichtige Rolle für die Datierung, da Fibeln in großer Zahl im Fundmaterial auftreten. Durch die typischen Unterschiede der einzelnen Fibeln ist eine komplette Typologie von zeitlich aufeinander folgenden Fibelformen möglich, die bei der Datierung von Funden sichere Anhaltspunkte geben können.

Fibeln wurden von Männern und Frauen gleichermaßen getragen, und mit ihnen wurde sowohl der Ausschnitt der Gewandung, als auch drapierte Stoffbahnen oder der Umhang zusammen gehalten. Besonders zum Schließen des in der Frauenmode über Jahrhunderte verbreiteten Peblos waren paarweise getragene Fibeln unabdingbar. Daher treten solche Fibeln im Fundmaterial der Antike sehr häufig auf. Aber auch der Umhang der Legionäre und Soldaten und der Hemdausschnitt der einfachen Leute wurde mit einer Fibel verschlossen, ja manchmal sogar die wollenen Wadenwickel an den Beinen.

Neben der reinen Gebrauchsfunktionen hatten Fibeln natürlich auch schmückenden Charakter und gaben Auskunft über den jeweiligen Rang und Stand innerhalb der Gesellschaft.
So konnten Fibeln aus einfachem Eisendraht, Bronze oder Silber bestehen und sogar aus reich verziertem Gold gefertigt sein. Auch Einfassungen mit Glas und Juwelen oder Silber-Tauschierungen waren bisweilen verbreitet.
Zuweilen finden sich Heilssprüche oder magische Symbole, die den Träger der Fibel vor Schaden bewahren oder Glück bringen sollten.

Je nach Form und Ausprägung werden die viele einzelne Fibelarten von den Archäologen unterschieden und benannt. So spricht man z.B. von Bügelfibel, Brillenfibel, Scheibenfibel, Omegafibel, Hufeisenfibel, Paukenfibel, Schalenfibel, Distelfibel, Knickfibel, Ringfibel, Zwiebelknopffibel, Kniefibel, Rollenkappenfibel, Augenfibel, Vogelkopffibel, Fußzierfibel, Armbrustfibel, Violinenbogenfibel, Bogenfibel, Spiralfibel, Dosenfibel, Haarknotenfibel, Soldatenfibel, Trompetenfibel, Kahnfibel, Certosafibel, Soldatenfibel, Pelta-Fibel, Scharnierfibel, Ausicafibel, Volutenfibel, Schwanenkopfibel, Kragenfibel, Knickfibel, Entenkopffibel, Schnabelfibel, Metallblechfibel, Doppelknopffibel, Dreiknopffibel, Dreisprossenfibel, Sternfußfibel, Kleeblattfibel, Vogelfibel, Schüsselfibel, Ankerfibel, Flügelfibel, Hakenkreuzfibel, Fünfknopffibel, S-Fibel, Draonesque-Fibel, Zikadenfibel, Ringfibel, Maskenfibel, Adlerfibel, Schlangenfibel, Kahnfibel, Stürzarmfibel, gleicharmige Fibel und manchen mehr….

Aufgrund der Vielfalt von Formen und lokalen bzw. zeitlichen Besonderheiten kann die nachfolgende Abhandlung nur einen grundlegenden Überblick zu den verschiedenen Fibelformen geben ohne dabei einen Anspruch auf Vollständigkeit zu haben.

 

Die Fibeln der Bronzezeit (1500 – 1000 v. Chr.)

Die Gewandnadel

Mit der Entdeckung des Bronzeguss verbreiteten sich in Europa um 2000 v. Chr. auch metallene Gewandnadeln, die häufig kugelige, konische, scheiben- oder spiralförmige Enden aufwiesen. Besonders markant sind bronzene Gewandnadeln mit Enden in Form durchbrochener Räder, die eventuell einen Bezug zum Sonnenkult hatten.
Aus der Gewandnadel entwickelte sich um 700 schließlich die Fibel.radnadel bronzezeit Kelsterbach am Main, ca. 1300 v.Chr

Die Violinenbogenfibel

Als einer der ältesten Fibeltypen gilt die Violinbogenfibel der mittleren Bronzezeit, die nach einem berühmten Fundort in Norditalien auch Peschiera-Fibel genannt wird. Die einfachste Form ist eine zu einem Bügel, oder an einem Ende zu einer Spirale aufgerollte Nadel aus Bronzedraht mit einem umgebogenen Nadelhalter auf der Gegenseite. Diese Art von Fibel entspricht im Grunde genommen unserer noch heute gebräuchlichen Sicherheitsnadel.

Violinbogenfibeln Peschiera-Fibel 1500 v. Chr.

Eine germanische Weiterentwicklung der Violinbogenfibel tritt im 14. Jahrhundert v. Chr. in Skandinavien und Norddeutschland auf. Die Fibel besteht aus zwei Teilen und hat symmetrisch gestaltete Enden, die oft in flachen Tellern oder dekorativen Spiralen auslaufen. Die Nadel selbst ist bei dieser Fibelform nicht zu einer Spirale geformt, sondern beweglich am Nadelhalter angebracht und kann seitlich geschwenkt und eingehakt werden.

Violinenbogenfibel Deutschland Bronezeit

Die Brillenfibel

Aus der Germanischen Violinenbogenfibel entwickelte sich schließlich gegen Ende der Bronzezeit zwischen 1100 und 900 v. Chr. die Brillenfibel, auch Plattenfibel genannt. Sie fand hauptsächlich im germanischen und skandinavischen Raum Verbreitung und wurde noch zu Beginn der Eisenzeit zwischen 900 — 700 V. Chr. getragen, wobei die im südgermanischen Raum anzutreffenden Plattenfibeln der Hallstattzeit kleiner und sparsamer verziert waren, als ihre skandinavischen Gegenstücke.

Plattenfibel Fund

Die Spiralfibel

Eine zeitgleich auftretende Variante der Brillenfibel war die Spiralfibel oder Spiralplattenfibel, die aus einem einzigen gewundenen Bronzedraht in Form einer Brille gefertigt wurde und während der Hallstattzeit vom Mittelmeer bis nach Skandinavien überall in Europa verbreitet war.

spiralfibel_bronzezeit

Die Haarknotenfibel

Eine interessante Spielart ist die sogenannte Haarknotenfibel, die eine lokale Unterart der Platten- bzw. Brillenfibeln darstellt, die in der ausgehenden Bronzezeit zwischen1200-1000 v. Chr. im nordwestgermanischen Gebiet entstand und z. B. in Hannover, Hamburg und dem südlichen Holstein belegt ist. Die Haarknotenfibel wurde ganz offensichtlich von den Frauen der Bronzezeit verwendet, um ihr Haar zusammen zu halten und wurde nicht als Mantelschließe verwendet.

haarknotenfibel Deutsch Evern Bronzezeit

Die Bogenfibel

Der Violinenbogenfibel ganz ähnlich ist die Bogenfibel gestaltet, die von der Bronzezeit bis zur frühen Eisenzeit bei den Kelten der Hallstattzeit in Gebrauch war. Diese zeichnet sich jedoch durch einen kräftiger geschwungenen Bügel aus, der sich bogenförmig über der Nadel spannt.

Bogenfibel Fund

Die Schlangenfibel

Eine recht ungewöhnliche Fibelart ist die Schlangenfibel, die eine Variante der Violinenbogenfibel darstellt und einen seltsamen, in Windungen verdrehten Bügel aufweist. Neben der Spiralfibel und Kahnfibel war dieser Typus während der frühen Hallstattzeit um 600 v. Chr. in Mitteleuropa beheimatet.

Schlangenfibel

Die Kahnfibel

Während der frühen Hallstattzeit fand besonders auch die sogenannte Kahnfibel im Alpenraum Verbreitung, die im Grunde eine Bogenfibel mit verbreitertem Bügel darstellt, die ein wenig wie ein umgedrehtes Schiff anmutet.

Kahnfibel Hallstatt

Die Paukenfibel

Die Paukenfibel ist gewissermaßen eine Weiterentwicklung der Kahnfibel, bei der der Bügel der Fibel wie eine Pauke schalenförmig ausgestaltet ist. Die Paukenfibel ist vor allem zum Ende der Hallstattzeit um 500 v. Chr. verbreitet.

Paukenfibel

Die Fußzierfibel

Die Fußzierfibel datiert zum Ende der Hallstattzeit. Diese Form der Armbrustfibel ist durch einen, wie der Name schon sagt, ausgeprägt gestalteten Fibelfuß charakterisiert, der häufig mit Spiralmotiven verziert ist.

Fußzierfibel

1. Die Fibeln der Bronzezeit (1500 – 500 v. Chr.)
2. Die Fibeln der keltischen Eisenzeit (500 v. Chr. – 0)
3. Die Fibeln der römischen Eisenzeit (0 – 400 n. Chr.)
4. Die Fibeln der germanischen Eisenzeit (400 – 700 n. Chr.)
5. Die frühmittelalterlichen Fibel (700 – 1000 n. Chr.) – in Arbeit

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde April 2014

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