Germanische Goldberlocken

Über die Berlock-Anhänger der Germanen während der Römischen Kaiserzeit.

Der Begriff Berlocke stammt von dem französischen Wort breloque für Anhängsel, worunter man in der Archäologie kleine kugel- oder birnenförmige Schmuckanhänger aus Gold, seltener aus Silber versteht. Daher wird häufig auch der Begriff Goldberlocke gebraucht.

Berlocken waren üblicherweise mit filigranem Granulationsdekor aus einzelnen Drähten und Perlen in Granulationstechnik verzierte Hohlkörper und zählen zu den herausragenden germanischen Schmuckstücken der älteren römischen Kaiserzeit.

Die Fertigung von Berlocken erforderte große technische Fertigkeiten, wurde jedoch scheinbar von einer Vielzahl kleinerer Werkstätten des germanischen Raums beherrscht, die jeweils ein begrenztes Gebiet dominierten, was sich anhand der lokalen Verbreitung verschiedener Verzierungsstile gut belegen lässt.

Berlocke aus Schweden

Berlock-Anhänger aus Schweden

Berlock-Anhänger wurden als Halsschmuck der Frau getragen und konnten zuweilen mit Perlen aus Glas oder Edelmetall sowie sog. Fuchsschwanzketten kombiniert sein.

Ab ca. 100 n. Chr. finden sich die Berlocken im germanischen Raum zwischen Sachsen und Böhmen, wo sich die Berlock-Anhänger bald zu einem beliebten Accessoire in der Frauengewandung entwickelten und von dort schließlich auch nach Polen und Skandinavien gelangten. Dort sind Berlocken so häufig anzutreffen, dass sie bis zu 60 Prozent des gesamten südskandinavischen Fundmaterials ausmachen, bis die Berlock-Anhänger schon gegen Ende des 2. Jahrhunderts wieder aus der germanischen Tracht verschwinden.

Goldberlocke Västergötland

Goldberlocke aus Västergötland

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Berlocken finden sich fast ausschließlich als Grabbeigabe erwachsener Frauen der gehobenen germanischen Gesellschaftsschicht, was darauf hinweisen könnte, dass Berlocken möglicherweise als Statussymbol oder Abzeichen für verheiratete Frauen galten. Nur aus der frühen Kaiserzeit sind in seltenen Einzelfälle auch Goldberlocken in Männergräbern anzutreffen.

Ebenso könnte die Berlocke aber auch als Symbol für die Mutterschaft an sich stehen oder eine Form der Morgengabe gewesen sein. In jedem Fall scheint der Berlock-Anhänger mit der erwachsenen Weiblichkeit in Verbindung zu stehen und wurde lange von der Besitzerin als Accessoire getragen, was deutlich Abnutzungsspuren an den gefundenen Berlocken belegen.

Die ursprünglichste Form der Berlocke wird Typ I genannt. Sie entstand im 1. Jhd. n. Chr, wobei sich dieser frühe Berlock-Anhänger noch auf den südostgermanischen Raum beschränkt und nur in Deutschland und Böhmen aber noch nicht in Skandinavien auftritt.

Der Berlock-Anhänger vom Typ 1 ist noch von fast kugelrunder Form und hat auch nur sehr einfache Verzierungen.

Berlocke vom Typ 1

Goldberlocke vom Typ I

Die nachfolgende Berlock-Form vom Typ II ist umgekehrt tropfenförmig oder zirbelnussartig mit reicherem Dekor als der ältere Typ und findet sich bereits auch im polnischen und skandinavischen Raum.

Goldberlocke aus Deutschland

Goldberlocke vom Typ II

Der jüngste Berlock-Typ III weist eine umgekehrte Birnenform hat ein fast komplett mit Golddrähten verziertes Oberteil und findet sich zwischen 70 und 220 n. Chr. in großer Zahl im skandinavischen Fundmaterial.

Diese späten Berlocken sind besonders häufig auf der dänischen Insel Bornholm und auf Öland nachgewiesen, finden sich aber auch im östlichen Jütland, im südlichen Norwegen sowie dem Weichselmündungsgebiet.

Berlocke vom Typ 3

Goldberlocke vom Typ III


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Literaturhinweise:

A. von Müller: Die birnen- und kugelförmigen Anhänger der älteren römischen Kaiserzeit. – Offa 15, 1956, 93–114.

K. Andersson: Gold des Nordens, Stuttgart 2008

A. Reinecke und K. Rausch: Brandgräber der frührömischen Kaiserzeit von Netzeband, Kreis Greifswald. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg, Jahrbuch 36, 1988, 119–139.

J.-P. Schmidt: Ein Bestattungsplatz der älteren römischen Kaiserzeit mit vergoldetem Silberberlock aus Ostvorpommern. – Bodendenkmalpflege in Mecklenburg-Vorpommern, Jahrbuch 48, 2000, 129–148.

 

Verfasst von Peer Carstens, November 2014

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