Über das Rapier

Die Geschichte des Rapiers

So etwa um die Mitte des 15. Jahrhunderts tauchte aus Italien und Spanien kommend ein neuer Waffentypus auf, der sich in den nachfolgenden Jahrhundert über große Teile Europas verbreitet – das Rapier.

Die Glanzzeit des Rapiers lag in der Renaissance zwischen 1500 und 1650, und es verschwand erst gegen Ende des 17. Jh., als es allmählich vom Smallsword abgelöst wurde.

Im 16. Jahrhundert galt ein Rapier im allgemeinen noch als Schwert des Adels, wenn auch der Begriff „Rapier“ recht weit gefasst war und man allerlei verschiedene Formen von Schwertern als Rapier bezeichnete. Im Laufe der Zeit fand das Rapier dann auch zunehmend im Bürgertum Verbreitung. Es erfreute sich großer Beliebtheit auch im zivilen Leben und war irgendwann unverzichtbarer Bestandteil „standesgemäßer“ Bekleidung.

Das Rapier hatte seinen Ursprung im Seitschwert, von dem die Frühformen des Rapiers nicht immer genau zu unterscheiden sind. Das frühe Rapier war eher noch hieblastig ausgelegt und damit dem Seitschwert recht ähnlich. Erst die späteren Rapiere, mit ihren schlanken, bis zu einen Meter langen Klingen, wurden schließlich zu der für den Stich optimierten Waffe, für den das elegante Rapier bis heute steht.

Für das Rapier charakteristisch ist die im Vergleich zum Langschwert schlanke, aber gegenüber dem späteren Degen relativ schwere, überlange zweischneidige Klinge von meist rhombischem Querschnitt und mit einer kräftigen Spitze versehen.
Das „Gefäß“, also der Handschutz des Rapiers, besitzt ein sogenanntes „Kreuz“, das eine Weiterentwicklung der mittelalterlichen Parierstange war und zusätzlich mit einem im Laufe der Zeit immer aufwändiger gestalteten Korb ergänzt wurde. Das war unbedingt nötig, um vor allem den Daumen, aber auch und den auf der sog. Fehlschärfe aufliegenden Zeigefinger zu schützen.
Durch das Abstützen des Zeigefingers auf der Klinge konnte diese sehr geschickt geführt werden und erlaubte im Zweikampf einige Finessen.

Anders als der spätere Degen war das Rapier allerdings zu schwer, um wie beim heutigen Fechten in schneller Folge eine Parade mit nachfolgender Riposte auszuführen. So war man beim Fechten mit dem Rapier darum bemüht, in einer einzige Aktion sowohl defensive als auch offensive Elemente einzusetzen und unterstützte das mit Seitwärtsbewegungen, die im modernen Fechten nicht mehr vorkommen.
Beim Fechten mit dem Rapier gebrauchte man daher zuweilen einen kleinen Faustschild mit Eisenbuckel, häufig auch einen sogenannten Parierdolch oder sogar den über den freien Arm geworfenen Mantel, um die Hiebe des Gegners besser abwehren zu können.
Paraden konnten zuweilen sogar auch nur mit der freien Hand erfolgen.
Es gab jedoch auch Rapiere, die durch zwei seitlich ausklappbar Klingen die gegnerische Waffe einklemmen und aushebeln konnten und sogar zweiteilige Rapiere, die aber eher ein Kuriosum blieben.

         

Eine Persönlichkeit, die großen Einfluss auf die Entwicklung der Fechtkunst im Heiligen Römischen Reich hatte, war der aus Padua in Italien stammende Fechtmeister Salvator Fabris (geb. 1544). Sein Hauptwerk über die Fechtkunst wurde bis ins 18. Jahrhundert hinein mehrfach übersetzt und beeinflusste das Fechten in Deutschland über mehrere Generationen hinweg entscheidend mit. Im Jahr 1606 erschien sein Werk „Scienza e Prattica d’Arme“ („Wissenschaft und Praxis der Waffen“).

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts gründeten schließlich mehrere italienische Fechtlehrer auch in London eigenen Fechtschulen, und es erschienen zwei Fechtbücher über das Rapier in englischer Sprache. Beide entstammten italienischer Hand, nämlich von Giacomo di Grassi von Medena.

Zwar waren die italienischen Fechtlehrer im Elisabethanischen England hoch angesehen, sie waren jedoch auch immer wieder Anfeindungen ausgesetzt.
So sprach sich zum Beispiel George Silver vehement gegen das Rapier aus und veröffentlichte 1599 sogar ein Buch, dessen Hauptinhalt darin bestand, das italienische Rapier und dessen Lehrer zu verunglimpfen und deren Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen. Seiner Ansicht nach lag die wahre Fechtkunst nur in den englischen Waffen, nämlich im kurzen Schwert, dem kurzen Stab, der halben Pike, der Partisane, der Glaive und anderen Waffen von „perfekter Länge“.

Das Rapier war, wie er meinte, fehlerhaft, weil es schlicht zu lang wäre, als Angriffsform fast ausschließlich den Stoß nutzt, keine Durchschlagskraft habe, für die Verteidigung im Krieg nichts tauge und daher ein „äffisches Spielzeug“ wäre. So brächte sich der Fechter mit dem Rapier selbst in Lebensgefahr und die italienischen Lehrer würden englischen Edelmänner durch falschen Unterricht umbringen, weil diese nun lernten zu kämpfen, wie den Schülern Diogenes das Tanzen gelehrt wurde, nämlich ihrem Leben durch die Kunst ein Ende zu setzen.
Außerdem betone das Fechten mit dem Rapier den Stich zu stark und vernachlässige den Hieb fast gänzlich, wohingegen die altenglische Methode Stich und Hieb gleichermaßen gebrauchte.

Doch trotz solcher Unkenrufe war der Siegeszug des Rapiers nicht aufzuhalten und es erschienen in mehreren Ländern weitere Fechtbücher. So war der erste Franzose, der sein Wissen über das Rapier in Buchform niederlegte, Henry de Saint Didier, und sein Werk ist das einzig erhaltene Fechtbuch eines französischen Autors jener Zeit.

Aus dem deutschsprachigen Raum sind die Werke des Paulus Hector Mair um 1540 und das Buch des Joachim Meyer um 1570 bekannt.
Der Straßburger Joachim Meyer beschreibt in seinem Buch „Gründtliche Beschreibung …“ neben dem langen Schwert, dem Dussack, dem Dolch sowie verschiedenen Stangenwaffen auch das Rapier. Von 1612 ist von Jacob Sutor das „New Kunstliches Fechtbuch“ bekannt und 1679 erschien von Theodor Verolini „Der Künstliche Fechter“.

Hier ein kleiner Auszug aus dem Werk von Paulus Hector Mair: „Sovil das Rappier fechten welches jetziger zeit ein sehr notwendige und nützliche übung ist / anlanget / ist kein zweyffel das es bey den Teutschen / ein newe erfundene unnd von anderen völckern zu uns gebrachte übung ist / dann ob wol bey unsern voreltern in ernstlichen sachen / gegen dem gemeinen feinde / das stechen auch zugelassen / so haben sie doch solches in schimpflichen übungen nicht allein nit zugelassen / sondern auch solches in keinen weg iren zusamen Kriegsleuten / oder andern so ausserthalb des gemeinen feindts zwiträchtigen zusamen gerathen/ gestatten wöllen / welches dann noch heutigen tags bey ehrlichen Kriegsleuten / unnd anderen Burgerlichen Teutschen gehalten werden solle / Derhalben were das Fechten im Rappier ein uberfluß / wo nicht durch beywohnunge frembder völcker / das stechen wie auch vil andere sitten so den alten Teutschen unbekandt / bey unns eigewurtzelt weren / Dieweil aber solche frömbde gebreuch sich bey uns von tag zu tag an vilen orten mehren / ist nun mehr auch von nöten gewesen / das uns nicht allein slche außlendische und frembde gewonheit der völcker offenbar unnd bekandt seyen / sondern das wir uns deroselbigen nicht weniger als sie (so vil zu notwendiger gegenwehr dienstlich) üben und geschickt machen / auff das wir ihnen (wann es von nöten sein wirt) uns zu beschirmen / desto füglicher begegnen und obsigen können.“

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Wie focht man seinerzeit mit dem Rapier?

Beim Rapierfechten bewegte man sich hauptsächlich vorwärts und rückwärts, doch ebenso waren seitwärts gerichtete oder kreisende Bewegungen üblich, und die Betonung lag auf dem Abpassen des richtigen Zeitpunkts für einen Angriff und dem Einhalten der richtigen Distanz. Eine effektive Verteidigung war somit das Ausweichen und das gleichzeitige Parieren der gegnerischen Waffe, wobei die gegnerische Klinge häufig zugleich mit dem linken Arm abgewehrt wurde – häufig mit einem Dolch, seltener mit einem Faustschild, ggf. mit einem zweiten Rapier, zur Not auch nur mit dem um den Arm geworfenen Mantel.

         

Den Dolch gebrauchte man hauptsächlich zum Parieren oder zum Festhalten der gegnerischen Klinge, bzw. zum Angriff. Das Fechten mit dem Rapier war jedoch nicht wild und durch rohe Kraft bestimmt, sondern es galt vorsichtig auszuloten und präzise zuzustechen, denn die lange, schlanke Klinge war nur schwer einzuschätzen und konnte wendig geführt werden.

Mit dem Rapier wurden auch Hiebe geführt, doch diese dienten mehr dazu, den Gegner zu irritieren und einzuschüchtern, bzw. ihn herauszufordern, denn die Rapierklinge war zumeist nur im Bereich der Spitze scharf geschliffen und konnte den Gegner kaum durch einen Hieb lebensgefährlich verletzen.

Das ausladende Gefäß des Rapiers war gleichzeitig Handschutz wie Klingenfang und diente zudem dazu, die Umgehung der eigenen Waffe durch die Spitze des Gegners zu erschweren. Im Kampf mit dem Rapier war eigentlich alles erlaubt, was den Sieg ermöglichte, so griff man zuweilen mit der Linken den generischen Arm oder sogar die stumpfe Klinge, um einen Vorteil herauszuholen.

Der Griff des Rapiers wurde für Schläge genutzt und ansonsten trat man einfach um sich. Doch das Hauptaugenmerk lag beim Stoß, denn nur so konnte man den Gegner ernsthaft verletzten oder töten. Die Klinge des Rapiers war scharf und ziemlich starr und so drang sie mühelos durch Kleidung und Fleisch und verursachte schwere Verletzungen, die sich nur selten heilen ließen. Zumeist verstarb der Gegner wenn nicht sogleich, dann wenig später an inneren Blutungen.

Hier ein paar interessante Seiten zum Fechten:
Schwertfechten
Fechtgeschichte
Questions about the Rapier

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2 Gedanken zu “Über das Rapier

  1. hallo, sehr schöne , gute beschreibung, vielleicht noch erwähnen, dass mit dem rapier auch die sogenannten klingenbrecher aufkamen, nicht weit von dips in dresden zu besehen und auch anderswo. vlg gert schlüter

  2. hallo,Die herausbildung des Rapier und des Degens war gleichzeitig sie sind die Erben des Schwertes.Der Rapier ist eine Waffe die im Alltag oder zu festtagen getragen wurde,der Degen war eine kriegswaffe für Schlachtfelder und kriege.Er gehört des halb Heute noch zu vielen Paradeunieformen

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