Der Schuppenpanzer

Über den Schuppenpanzer und Lammellenpanzer in der europäischen Geschichte

Schuppenpanzer und Lamellenrüstungen sind sehr alt und wurden vor, neben und nach dem Kettenhemd als Schutz im Kampf getragen.

Ein Schuppenpanzer besteht im Grunde aus zahlreichen Plättchen oder Schuppen, die auf einer festen Unterlage wie Stoff oder Leder angebracht wurden.
In der Regel wurde das Trägermaterial aus mehreren dünnen, miteinander versteppten Lagen gefertigt und darüber als zusätzlicher Schutz die Panzerschuppen angebracht.
Beim Lamellenpanzer hingegen wurden die einzelnen Panzerplättchen direkt miteinander verbunden ohne ein zusätzliches Trägermaterial

Die Schuppen konnten unterschiedliche Formen haben. So gab es neben wappenförmigen und schildartigen Schuppen auch rechteckige, D-förmige und tonnenförmige Sorten, die je nach Verwendung zwei, vier oder acht, ja sogar 12 Löcher aufweisen konnten. Die Panzerplatten waren entweder dicht nebeneinander aufgenietet oder überlappten sich fischschuppenartig oder waren sogar direkt miteinander verbunden.
Als Material für die Panzerschuppen wurde Leder, Knochen, Horn, Bronze und Eisen verwendet.

Römische Panzerschuppen

Schon im alten Ägypten wurden seit dem 16. Jahrhundert v. Chr. Schuppenpanzer verwendet, die aus einem Leinen- oder Lederpanzer mit Bronzeplättchen gefertigt worden waren. Auch Panzerschuppen aus gehärteten Leder wurden verwendet.

Die Griechen und Perser der Antike gebrauchten neben bronzenen Rüstungen ebenfalls den Schuppenpanzer. Wurden neben den Lederschuppen ursprünglich nur Schuppen aus Bronze verwendet, so kamen mit dem Beginn der Eisenzeit auch Panzerschuppen aus Eisen hinzu.

So heißt es zum Beispiel bereits in der Bibel beim Sieg Davids über Goliath: „Und ein Vorkämpfer trat aus den Lagern der Philister heraus, sein Name war Goliath. Seine Größe war sechs Ellen und eine Spanne. Und er hatte einen bronzenen Helm auf seinem Kopf und war mit einem Schuppenpanzer bekleidet. Das Gewicht des Panzers betrug 5 000 Schekel Bronze.“

Aus dem Schuppenpanzer entstand schließlich im Fernen Osten der sogenannte Lamellenpanzer, der aus miteinander verbundenen Metallplättchen ohne ein darunterliegendes Trägermaterial hergestellt wurde und die erste Form einer echten Metallrüstung war.

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Bei den Römern wurde ebenfalls ein Lederkoller mit fischschuppenartigen Schuppen aus Bronze oder Eisen verwendet und als „Lorica Squamata“ bezeichnet.
Dieser Schuppenpanzer wurde bis zum Untergang des weströmischen Reiches von Offizieren und Legionären neben verschiedenen anderen Rüstungsformen getragen und blieb im oströmischen Reich bis in die byzantinische Zeit weiterhin in Gebrauch, wo er „Klibanion“ genannt wurde.

Die Karolingischen Franken im frühen Mittelalter entdeckten den Schuppenpanzer für sich neu und statteten die Panzerreiter der schweren, fränkischen Kavallerie neben dem Kettenhemd auch mit solchen Schuppenpanzern aus.
Diese sogenannte „Brünne“ bestand bei den Franken in der Regel aus einer Tunika aus Leder, auf die fischschuppenartig eiserne Plättchen aufgebracht waren, die gegen Pfeile, Speere und leichte Schwerthiebe schützen konnte.
Dieser Schuppenpanzer bot allerdings nicht soviel Bewegungsfreiheit wie das gleichzeitig gebrauchte Kettenhemd.

         

Bei den Reitervölkern des Ostens wie den Skythen, Hunnen und Mongolen waren ebenfalls Schuppenpanzer und besonders Lamellenpanzer verbreitet und wurden dort bis in die Neuzeit getragen.

Beim Lamellenpanzer wurde kein Trägermaterial mehr verwendet, sondern die einzelnen Panzerplatten wurden miteinander durch Nieten, Ringe oder Schnüre verbunden.

Die Schuppen des Lamellenpanzers bestanden zumeist aus Eisen aber auch Leder und hatten zumeist acht Löcher, zwei auf jeder Seite. Üblicherweise waren diese Panzerplatten schild- oder tonnenförmig gestaltet.

Bei ihren Fahrten auf den Flüssen Russlands kamen die Wikinger mit östlichen Völkern wie den Magyaren, Petschenegen und Byzantinern in Kontakt und übernahmen von diesen den Gebrauch von Schuppenpanzer und Lamellenpanzer, der von Ihnen „Lamellar“ genannt wurde.

Panzerschuppe aus Birka

Ein archäologischer Hinweis auf einen Lamellenpanzer stammt aus der Wikinger-Stadt Birka in Schweden, wo einige Fragmente gefunden wurden, wobei jedoch nicht hervorgeht, ob es sich um eine skandinavische oder östliche Herstellung handelt.
Sicher aber haben die Wikinger der byzantinischen Waräger-Garde auch den byzantinischen Schuppenpanzer getragen und vermutlich diese Rüstungsform in den Gebieten der Rus im westlichen Russland verbreitet.

In der „Hirðskrá“, dem altnorwegischen Gefolgschaftsrecht, heißt es jedenfalls: „Der Gefolgschaftsmann soll einen Waffenkoller haben und darüber einen Panzerrock oder eine Brünne, dazu eine Stahlhaube und ein Schwert und einen guten Schild, Speer und Buckler und einen Handbogen mit drei Dutzend Pfeilen.“

Bei den Nachfahren der Wikinger, den Normannen, war zwar hauptsächlich das Kettenhemd als Panzer verbreitet, der Teppich von Bayeux zeigt unter anderem aber auch eine Art Schuppenpanzer, der jedoch ggf. auch nur als Steppwams angesprochen werden könnte.

Im Spätmittelalter entstanden unterschiedliche Formen des Schuppenpanzers, wie die Brigantine, die im Gegensatz zu den mit teuren Plattenpanzern ausgestatteten Rittern im 14. Jh. hauptsächlich vom einfachen Fußvolk getragen wurden.

Die Brigantine wurde in der Regel aus zahlreichen Metallplättchen gefertigt, die zusätzlich verzinkt sein konnten und zwischen zwei Lagen aus gestepptem Leinen, Leder oder Samt genietet wurde.
Die Nietköpfe blieben dabei an der Außenseite des Oberstoffes oft in Dreiergruppen sichtbar und gaben der Brigantine ihr typisches Aussehen. Die Brigantine stellte einen recht guten Kompromiss aus Beweglichkeit und Schutz dar. Rechterhand ein Bild aus der Manessischen Handschrift.

Eine spätere Form der Brigantine war das im 16. und 17 Jh. verbreitete englische „Jack of Plates“, eine Art Steppwams mit eingenähten Metallplättchen.
Eine weitere Variante der Brigantine ist die „Cheshuia“, die sich in Osteuropa entwickelte und die Panzerplatten auf der Außenseite des Trägermaterials hatte.
Von der Schlacht von Visby im 14. Jahrhundert sind ebenfalls mehrere Brigantinen erhalten.

Auch im japanischen Mittelalter wurden Schuppen- und Lamellenpanzer von den Samurai verwendet, die aus kleinen, lackierten Streifen aus Bambus oder Eisen bestanden, die durch Metallringe oder kräftige Kordeln miteinander verbunden waren. Diese Panzer waren leicht und flexibel und dabei zugleich sehr widerstandsfähig und gaben ihrem Träger eine Bewegungsfreiheit.

Ein wichtiger Grund weshalb der Schuppenpanzer eine so lange Zeit bei so vielen Völkern neben anderen Arten von Panzern in Gebrauch war, ist schlicht der Umstand, dass der Schuppenpanzer mit einfachen Mitteln und vergleichsweise preiswert herzustellen war und dennoch eine gute Schutzwirkung bei gleichzeitiger Beweglichkeit bot.

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Literaturnachweise

– Ortwin Gamber, Waffe und Rüstung Eurasiens: Frühzeit und Antike : ein waffenhistorisches Handbuch, Verlag Klinkhardt & Biermann, 1978

– Evgeniĭ Vasilʹevich Chernenko, Die Schutzwaffen der Skythen, Prähistorische Bronzefunde, Verlag Franz Steiner Verlag, 2006

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde April 2013

 

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4 Gedanken zu “Der Schuppenpanzer

  1. Zum Thema LAmellar bei Wikingern:

    Der Birkafund wird mittlerweile eher einem Nicht – Skandinavier zugesprochen, demnach fällt dieses Argument als Beleg für die Verwendung von Lamellenpanzer durch die Skandinavier raus.
    Auch im Falle der Warägergarde muss man vorsihtig argumentieren, da diese erst Ende 11.Jhdt. nachweislich mit Lamellenpanzern ausgestattet worden sein.

  2. Jup Da gibts mehrere Funde aber eben nur im RUS und Reiterkontext und als kultureller Import von den Steppenvölkern aus Zentralasien.
    Ergo: es gab Lamellenpanzer zur Wikingerzeit aber ihre Nutzung durch Skandinavier ist mehr als zweifelhaft, vorallem nicht in der Menge wie es gern dargestellt wird im LH und Reenactmentbereich.
    Tatsächlich ist die höchste Verwendungsdichte bei Skandinavier erst mit Ende des 11 Jhdt. gegeben und zwar nur im Kontext der späten Waräger Garde in Byzanz.

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