Der römische Militärgürtel

Über den Cingulum, den Militärgürtel der römischen Legionäre in der Antike.

Der „Cingulum Militare“, also der römische Militärgürtel, war wie der Name schon sagt der Gürtel der römischen Legionäre. Seine Bedeutung als Militärgürtel erlangte der römisch Cingulum ursprünglich als Schwertgurt.  Er wurde später jedoch auch genauso häufig ohne das Schwert getragen, was entsprechende Abbildungen auf den Soldatengräbern der römischen Provinzen deutlich machen.

Ursprünglich wurde der römische Militärgürtel „balteus militare“ genannt, der Begriff „Balteus“ wurde jedoch später auf den Schwertriemen übertragen, und seit dem 3. Jahrhundert setzte sich der Begriff „cingulum militare“ für den eigentlichen Legionärsgürtel durch.

Der Cingulum diente dem Legionär gewissermaßen als Uniform, denn so war dieser auch ohne Waffen oder Rüstung als Soldat erkenntlich, da der Cingulum als Standesabzeichen ausschließlich von Militärangehörigen getragen wurde. Zivile Personen trugen hingegen so gut wie nie beschlagene Gürtel. Seit der Mitte des 1. Jh. n. Chr. wurde der Cingulum auch mit wechselnden Moden unterworfenen Dekorationen verziert und konnte rundum mit Messingplatten beschlagen sein.

Bis heute unklar ist die Beschaffenheit des römischen Gürtels, da nicht bekannt ist, ob dieser aus einem einzigen Stück dicken Leders gefertigt war oder aber aus mehreren übereinander gelegten Lagen, worauf Abbildungen von Nähten hinweisen könnten. Einen Hinweis auf die Verwendung dünneren Leders könnten allerdings die üblicherweise rundum aufgebrachten Messingbleche geben, da diese zum Stützen des Kettenhemdes eine wichtige Funktion erfüllten.

Charakteristisch für den Cingulum waren neben den Beschlagblechen auch die mit einem Scharnier an einer Aufnietplatte befestigten Gürtelschnallen, die mit ihren eingerollten Voluten eine unverwechselbare Formgebung hatten und im Vergleich zur Gürtelbreite nur einen schmalen Durchlass für das Riemenende aufwiesen.

Am Cingulum befestigt befanden sich zudem häufig auch noch die Pteryges, mehrere lange und mit zahlreichen Nieten beschlagene Lederstreifen, die den Schambereich bedeckten, und außerdem noch zwei Halterung für den Pugio, den römischen Dolch.

In der frühen Kaiserzeit wurden anfangs je ein Cingulum für das römische Kurzschwert, den Gladius, und ein weiterer für den Pugio, den Dolch, kreuzweise wie Pistolengurte an der Hüfte getragen.

Zumeist waren diese Gürtel schlicht oder mit eher schmalen Platten verziert, wobei insbesondere florale und geometrische Motive beliebt waren, aber auch plastische und figürliche Platten in Gebrauch waren und mit schwarzen Niello-Einlagen verziert sein konnten.

Im Verlauf des 1. Jh. trug der Legionär das Schwert an einem schmalen, separaten Schulterriemen, dem sog. Balteus, wohingegen der eigentliche Gürtel breiter wurde. Der Dolch fand an zwei speziellen Pugio-Halterungen am Gürtel Platz.

In der Regel waren die römischen Militärgürtel nun vollständig mit Bronzeblechen beschlagen, wobei bei den einfachen Legionären mit einfachen konzentrischen Ringen verzierte Platten in Mode kamen. Die Gürtel der höheren Dienstgrade zeichneten sich hingegen als Statussymbol in aufwändigeren Dekorationen der Beschläge aus.

Demgegenüber war der Cinctorium als Gürtel den höheren römischen Offizieren vorbehalten, bei denen das Schwert direkt auf der rechten Seite des Gürtels getragen wurde, wohingegen die einfachen Legionäre bis zum Centurio das Schwert am Balteus über der Schulter trugen.

Der römische Militärgürtel war durch die Jahrhunderte verschiedenen Wandeln und Moden unterworfen. So war der zweifache Cingulum zu Beginn der Kaiserzeit noch relativ schmal und mit Beschlägen von um die 3 cm Breite versehen. Während des 1. Jh. wurden die Gürtel allmählich breiter und konnten bis zu 5 cm erreichen.

In trajanischer Zeit Anfang des 2. Jh. wurde die Mode der rundum beschlagenen Gürtel schließlich fallen gelassen und die Riemen wurden wieder schmaler, bis maximal nur 2 cm. Stattdessen waren die Gürtel jetzt regelmäßig mit bunten Emaille-Einlagen verziert.

Mit der Mitte des 2. Jh. kam es zu einer grundlegenden Veränderung in der Ausstattung der Legionäre und der kurze Gladius wurd durch die lange Spatha ersetzt. Die Gürtel waren nunmehr spärlich beschlagen, allenfalls dünne Beschlagplatten in Durchbruchstechnik wie die Trompetenornamentik wurden jetzt noch verwendet, kamen aber nur noch selten vor. Gegen Ende des 2. Jahrhunderts entstanden vollständig neue Schnallentypen wie Ringschnallen oder Rahmenschnallen, und diese ersetzten im Verlauf des 3. Jh. vollständig den römischen Cingulum.

In der Spätantike des 4. Jh. setzen sich schließlich unter dem Einfluss germanischer Söldner wiederum extrem breite Gürtelgarnituren mit großflächigen Schnallen durch, die bis zu 10 cm Breite erreichen konnten. Als Gurtstraffer wurden dabei häufig auch sogenannte Propellerbeschläge auf dem Gürtel aufgebracht.

 

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2013

 

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