Die Alamannen von Eschborn

Die alamannischen Funde aus dem Reihengräberfeld von Eschborn aus dem 4. und 5. Jahrhundert.

1983 wurden beim Anlegen eines Wasserleitungsgrabens am Friedhof Eschborn menschliche Skelettreste zusammen mit Glasperlen und Tonscherben gefunden, die nicht so recht in das übliche Bild einer zeitgenössischen Beerdigung passen wollten.
Bald stellte sich heraus, dass dieses Grab zu einem größeren Gräberkomplex gehören musste und man beschloss, das gesamte Gräberfeld von Eschborn archäologisch zu untersuchen, wobei schließlich über fünfzig Körpergräber entdeckt und sorgfältig dokumentiert wurden.
Im Landesamt für Denkmalpflege in Wiesbaden wurden die Beifunde des Gräberfelds von Eschborn binnen Jahresfrist gereinigt und restauratorisch aufbereitet.

Das Gräberfeld von Eschborn wurde auf einen Zeitraum zwischen 400 und 500 n. Chr. datiert und ist germanischen Ursprungs. Die Funde konnten den während dieser Zeit im Main-Taunus-Kreis ansässigen Alamannen zugeordnet werden. Die Alamannen waren einer der größten germanischen Stammesverbände jener Zeit und stellten einen Zusammenschluss mehrerer einzelner Stämme dar, was auch in der Bezeichnung Alamannen deutlich wird. Besonders Sueben und Bajuwaren stellten einen großen Teil der alamannischen Kontingente.

Obgleich die Alamannen ursprünglich in der Tradition der germanischen Totenverbrennung standen und die Leichname in Urnen beisetzten, veränderten sich durch christliche Einflüsse ihre Bestattungsriten im 5. Jh., und sie bestatteten von da an ihre Toten in Körpergräbern in sogenannten Reihengräberfriedhöfen.

Da die Alamannen jener Zeit an ein Weiterleben nach dem Tode glaubten, wurden den Toten umfangreiche persönliche Besitztümer beigegeben, ebenso zahlreiche Gegenständen des täglichen Lebens und auch Nahrungsmittel.

Besonders häufig fanden sich alamannische Fibeln und Gürtel aus Bronze, aber auch Kämme und Toilettenbesteck. Messer, Sax und Wurfaxt zeugten dabei von einem Männergrab, wohingegen Haarnadel, Glas- und Bernsteinperlen eher auf ein Frauengrab hinwiesen.
Neben den rein alamannischen Gefäßen aus Ton, die mit Speisen und Getränken gefüllt waren, fanden sich auch Gefäße aus Glas und Bronze, die oftmals aus den ehemals römischen Töpfereien und Glasmanufakturen linkerhand des Rheins stammten. Üblicherweise waren die alamannischen Grabbeigaben am Kopf oder zu Füßen des Toten im Grab aufgestellt, doch zuweilen lagen sie auch rechterhand im Grab in einer kleinen Nische, die in die Wand eingelassen war.

Während germanische Männer üblicherweise nur eine einzelne Fibel auf der Schulter trugen, um ihren Umhang zu schließen, gehörten zur Grundausstattung der Frauen zwei Fibeln, die  rechts und links, etwas unterhalb des Schlüsselbeins, getragen wurden, und mit denen das Frauengewand, der sogenannte Peblos, geschlossen wurde.
Die Fibeln der Alamannen von Eschborn waren zumeist Bügelfibeln, die reich mit Kerbschnitten verziert und oftmals aus vergoldetem Silber gefertigt waren, wobei die Enden der alamannischen Fibeln in der Regel in Schlangen- oder Drachenköpfen ausliefen.

Neben den typischen Fibeln trugen die alamannischen Frauen und Männer auch eine Art von Gehänge, das sowohl von der linken Schulter als auch vom Gürtel herabhängen konnte. Es umfasste neben Perlen aus Glas und Bernstein auch Amulette und dekorative Endstücke, die aus Knochen, Geweih, Eisen und Bronze gefertigt sein konnten. Eine Besonderheit stellte dabei die sogenannte Donarskeule dar, ein kolbenförmiger Anhänger aus Knochen oder Horn, der in den Gräbern von Mädchen und Frauen in Höhe des Beckens gefunden wurde.

Sowohl Männer wie auch Frauen trugen die für die Tracht der Alamannen charakteristischen Kolbenarmreifen, die zumeist aus Bronze gefertigt waren, aber auch aus Eisen bestehen konnten und runde Schmuckscheiben, die vermutlich eine magische oder schützenden Bedeutung hatten.

Die germanischen Funde der Alamannen von Eschborn sind u.a. in der Schrift von „Grabfunde des 5. Jahrhunderts. Ein alamannisches Gräberfeld an der Wende vom Altertum zum Mittelalter“ publiziert worden, sowie in „Das alamannische Gräberfeld von Eschborn“ (Materialien zur Vor- und Frühgeschichte Hessens).

Weitere Informationen zu den Alamannen von Eschborn findet man hier.

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2013

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