Birka – Stadt der Wikinger

Über Birka – Die Stadt der Wikinger im Mälarsee

Die Wikinger-Stadt Birka, wurde um 800 n. Chr. gegründet und lag auf der Insel Björkö inmitten des schwedischen Mälarsees, 30 km westlich von Stockholm. Der Name Björkö, zusammengesetzt aus schwed. „björk“, Birke, und „ö“, Insel, bedeutet „Insel mit Birken bestanden“.
Birka, im Reich der Svear gelegen, war von einem hohen Wall umgeben und von einer nahegelegenen Burg geschützt. Es hatte mehrere Häfen, an denen Kaufleute mit ihren Schiffen aus allen Ländern des Ostseeraums und von weiter her anlanden konnten.
Birka gilt als wichtigster Handelsplatz der Wikinger im nördlichen Ostseeraum. So hatten die Handelsrouten ins heutige Russland und insbesondere der Silberhandel mit dem Wolgagebiet eine immense Bedeutung. Birka war auch von der wichtigen Wikinger-Stadt Haithabu an der Schlei aus in nur 20 Segeltagen zu erreichen.

Neben seiner Verteidigungsanlage hatte Birka einen eigenen Stadtvogt, ein eigenes Gericht und vermutlich auch besondere Stadtrechte, die den unterschiedlichen Ansprüchen der vielen Fremden an diesem Handelsplatz gerecht werden sollten.
Zudem gab es in Birka auch eine große Anzahl spezialisierter Berufe.
Birka wurde unter anderem auch durch die wenig erfolgreiche Missionstätigkeit des deutschen Mönchs St. Ansgars bekannt, der um 830 in Birka wirkte und aus dem Kloster Corvey nach Birka geschickt worden war, um die heidnischen Svear zu missionieren. Zwar war das Christentum auch schon vor Ansgar durch Händler in Birka bekannt, doch selbst Ansgar konnte hier nicht viel ausrichten – trotz mehrerer Nachfolger konnte sich das Christentum in Birka am Ende nie durchsetzen.

In diesem reichen, urbanen Umfeld wurde reger Handel getrieben. Hier siedelten sich Bronzegießer, Kamm-Macher und Hornschnitzer, Perlenmacher, Eisenschmiede, Weber und Pelzer an. Es wurden Tuche, Glas, Silberschmuck und Schwertklingen aus dem Reich der Karolinger eingeführt, Honig, Leinen, Eisen und Pelze aus den Wäldern Nordschwedens und selbst Seide aus China, Amethyst aus Indien waren im Angebot. Sogar arabische Münzen wurden gefunden!

Bis zu 800 Menschen wohnten hier in kleinen Holzhütten, doch zu Marktzeiten kamen in der Stadt mehrere tausend Menschen aus allen Herren Länden zusammen und ließen über einen Zeitraum von 200 Jahre über 2300 Gräber zurück, die die Siedlung und die Burg in einem weiten Ring umgaben und deren Grabbeigaben uns heute einen beeindruckenden Einblick in das damalige Leben der Wikinger ermöglichen.
Die meisten Toten wurden einfach verbrannt, doch viele Wohlhabende wurden unverbrannt, mit reichen Beigaben für die Anderswelt versehen, beigesetzt, die wir heute noch bewundern können.

Birkas Lage als Handelsplatz war im gut geschützten Mälarsee zu jener Zeit ideal, da die Handelswege im nördlichen Europa in dieser Zeitepoche hauptsächlich auf dem Wasser verliefen.
Wichtige Wasserwege führten an der Insel vorbei und durch die geschützte Meerengen bei Stockholm in die Ostsee und der König der Svear war ein Garant dafür, dass die Kaufleute sicher in den Mälaren fahren und ihre Waren in Birka handeln konnten.

Ende des 10. Jahrhunderts wurde Birka verlassen, obgleich keinerlei Spuren von Plünderung oder Brand in Birka entdeckt wurden und nur die benachbarte Burg ungefähr zur selben Zeit abbrannte. Vermutlich verlandeten die Häfen und der Schwerpunkt des Handels verlagerte sich zu der 970 gegründete Stadt Sigtuna, die Birkas Rolle als Handelsplatz übernahm. Passend, dass diese im Gegensatz zu Birka zudem eine christliche Stadt war, in der König und Kirche zusammenarbeiteten.

Die Ausgrabungen in Birka

Charakteristisch für die Kulturlandschaft auf Björkö sind die unzähligen Grabhügel mit ungefähr 3000 Gräbern der Wikinger-Zeit. Bereits um 1680 wurden von einem der ersten Reichsantiquarien Schwedens, Johan Hadorph, erste Ausgrabungen unternommen.
Doch erst im Jahr 1825 begann ein schottischer Amateur, Alexander Seton, mit den ersten systematischen Ausgrabungen der Gräberfelder. Er grub sich drei Jahre lang durch eine Reihe von Grabhügeln und konnte aufzeigen, wie jahrhundertelanger Ackerbau in Björkö-Dorf mit der Zeit alle Spuren der früheren Besiedlung zwischen der Burg und dem nördlichen Gräberfeld getilgt hatte.

1871 kam endlich mit Hjalmar Stolpe, ein ausgebildeter Entomologe, auf die Insel, um Bernstein zu suchen, und um die im Bernstein eingeschlossene Insekten zu studieren. Dabei machte er eine Reihe archäologischer Funde. Zehn Jahre lang grub Stolpe aus, untersuchte und dokumentierte die Grabfelder und die „Schwarze Erde“ und legte damit den Grundstein für alle kommenden Forschungen über Birka.
Rund 1200 der etwa 2300 Gräber ließ er untersuchen, und man fand unter anderem Bronzegeschirr, Schmuck, kostbares Glas, Seide, Schmuck, Töpferwaren und Waffen aus allen Bereichen der damals bekannten Welt. Doch als sein bedeutendster Fund gilt ein Silberschatz mit 450 islamischen Münzen, die er bereits1872 fand.

Weitere Untersuchungen folgten im 20. Jahrhundert zwischen 1932 und 1934, als der schwedische Archäologe Holger Arbman vergeblich nach der Kirche Ansgars suchte. Bis heute dauern die archäologischen Untersuchungen Birkas an und fördern noch immer neue Erkenntnisse über die Wikinger-Zeit zu Tage.
Im Bereich der sogenannten Schwarzen Erde lag das eigentliche Stadtgebiet Birkas, das in seiner größten Ausdehnung damals 13 ha Größe erreichte und den gesamten Nordteil der Insel ausfüllte.
Das Stadtgebiet war in mehrere Parzellen unterteilt, auf denen jeweils ein oder zwei Häuser mit mehrere Nebengebäude standen, und auf dem sich zahlreiche Verkaufsstände befanden. Die Häuser waren ca. 5 x 8 m groß. In der Nähe des Stadtwalls waren in bester Lage die Häuser der Reichen angesiedelt.

Die Ressourcen der Insel reichten bei weitem nicht aus, um alle dort lebenden Menschen zu versorgen. Besonders während der handelsintensiven Sommermonate mussten Nahrungsmittel in großen Mengen aus den umliegenden Gebieten in die Stadt transportiert werden.
Und selbst im Winter war die Stadt voll – viele Pelzhändler kamen über das Eis des Mälarsees nach Birka und brachten Felle und Pelze mit, die hier zwischengelagert wurden, und sie blieben bis zum Frühjahr in der Stadt, bevor die Pelze über die Ostsee hinweg nach Osten transportiert wurden.
Ein reger Fernhandel wurde vor allem mit Russland und Byzanz betrieben, und es gibt eindeutige Belege für die Berührung mit den Karawanen der Seidenstraße. So fand sich nicht nur chinesische Seide in den Gräbern, sondern sogar eine Buddha-Statue aus dem 67. Jh., die eine Reise von nicht weniger als 8000 km hinter sich hatte!

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2010
Bildnachweis: Wikipedia

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