Normannische Kriegsführung

Die Kunst der normannischen Kriegsführung im 11. und 12. Jahrhundert.

– Befestigte Stützpunkte

Stützpunkte
Nach der Eroberung Englands Ende des 11. Jahrhunderts errichteten die Normannen mit der Zeit im ganzen Reich befestigte Stützpunkte. Diese waren jeweils mit einer kleinen Garnison besetzt, die in Friedenszeiten oft nicht mehr als einige Handvoll Männer zählte.

Vor einem größeren Feldzug wurden solche befestigte Feldlager auch als Stützpunkte entlang der Küste errichtet und mit einer Garnison besetzt. Deren Aufgabe war es, die nach und nach per Schiff herangebrachten Güter, wie Waffen, Futter und Korn, die Basisversorgung für die Truppen, zu schützen. Erst dann rückten die Truppenkontingente in die gut vorbereiteten Stützpunkte ein bis schließlich das Heer so weit angewachsen war, dass der Eroberungsfeldzug beginnen konnte.

Die Feldlager dienten während des Feldzuges auch als vorübergehende, sichere Behausung für die Truppen sowie als ständiges Nachschublager und Basis für Operationen ins Umland,
denn die Belagerung einer Burg beispielsweise war eine Sachen die größerer Kenntnis und Organisation bedurfte.
Besonders im Winter waren die Feldlager notwendig, wenn keine Truppen im Felde standen. Hier konnte man sich auch in dem noch nicht befriedeten Gelände vor überraschenden Angriffen einigermaßen sicher fühlen. Obgleich die Stützpunkte nur leicht gebaut und zumeist aus Holz waren kamen Belagerungen eher selten vor. War das feindliche Gebiet befriedet, so dienten die Feldlager der Grenzwacht und boten kurze Nachschubwege in allen Teilen des Landes und nicht zuletzt eine schnell erreichbare Rückzugsmöglichkeit bei Aufständen.

Die Aufgaben der Stützpunkte bestand aber auch darin Präsenz zu zeigen, um die Regung zum Aufstand in der Bevölkerung von vornherein niedrig zu halten. Sie waren Orte königlicher Macht und Autorität, die somit nach allen Seiten sichtbar ausstrahlte und dienten als Zwischenlager für die eingetriebenen Steuern und Abgaben der Bevölkerung.

Da gegnerische Feldlager oder sogar Burgen oft nur zu schwer einzunehmen waren und oft auch einfach nicht genug Zeit für eine Belagerung zu Verfügung stand, war es häufig üblich, die Expansionsbestrebungen der gegnerischen Burgbesatzung einfach einzudämmen, indem man in unmittelbarer Nähe ein Gegenkastell errichtete, und den Gegner somit in Schach hielt. Hierzu errichtete man eine sogenannte Motte, auch als Turmhügelburg bekannt. Man steckte einfach ein Geviert ab, schachtete rundherum einen Graben aus, schaufelte den Aushub in der Mitte zu einem Hügel auf und versah ihn mit einem hölzernen Wachturm aus Palisaden. Eine solche Motte konnte in acht bis zehn Tagen errichtet werden, doch bedurfte sie ständiger Wartung aufgrund der wenig haltbaren Holzkonstruktion. Auch hatten sie den großen Nachteil, recht gut zu brennen.

Nach der Plünderung der gegnerischen Dörfer brannte man die Häuser der Bauern nieder und brachte Nahrung und Vieh in die eigenen Feldlager – dem Gegner sollten weder Ressourcen noch Unterkünfte bleiben. Denn nahm man sich nicht selbst alles was man brauchen konnte aus dem Land des Feindes, so taten das stattdessen die feindlichen Truppen. Das Resultat für die Bevölkerung war in jedem Fall dasselbe. Denn auch die eigenen oder verbündete Truppen hausten in der Regel nicht weniger schlimm unter der Bevölkerung, da auch sie sich von den Ressourcen der Umgebung versorgen mussten und oft dieselben Intentionen wie ihre Gegner hatten,

So waren viele der kleineren Schlachten jener Zeit oft nicht viel mehr als ein gut organisierter Viehraub. Denn Wandalismus konnte jeden Feind dazu bringen aufzugeben, wenn er keine andere Möglichkeit sah der Zerstörung der eigenen Landstriche Einhalt zu gebieten. Zudem konnten sich so auch die anderen, noch nicht eroberten, Teile des gegnerischen Landes ein Bild davon machen was mit ihnen geschehen würde, leisteten sie Widerstand – etwas, das Verhandlungen durchaus erleichtern konnte. So hielt man sich an den Grundsatz: „Lass eine Stadt brennen, dann werden dir die anderen kampflos in die Hände fallen.“

Plünderung und Vergewaltigung diente aber auch als wichtiger Ausgleich und Entspannung für die eingesperrten Truppen. Die Soldaten konnten sich so etwas „Zerstreuung“ verschaffen und sich selber bereichern. So hatten sie wenigstens das Gefühl, nicht nur für den König, sondern auch für sich selbst etwas aus der Sache herausschlagen zu können und nicht umsonst Entbehrungen und die Gefahr eines schnellen Todes, in Kauf genommen zu haben.

Doch oft schnitten sich die Burgbesatzungen mit der Zerstörung des Umlandes auch selbst ins Fleisch, denn die Vertriebenen litten große Not und ballten sich häufig in den Städten zusammen, wo bald schon Seuchen und Krankheiten ausbrachen. Diese fanden, anders als die gegnerischen Soldaten, durchaus auch ihren Weg über die Mauern und wüteten oft schrecklich unter den eingesperrten Besatzern und dezimierten deren Kräfte ähnlich stark, wie es ein feindlicher Angriff getan hätte.

 – Der Feldzug

Feldzug
Krieg wurde unter den normannischen Königen hauptsächlich nur während wenigen Monaten während des Sommers geführt. Zwischen Mitte Dezember und dem frühen März war es jedenfalls ziemlich ungewöhnlich einen Kriegszug zu organisieren, denn die Straßen waren zu dieser Zeit nur schwer passierbar, das Futter war rar und der Nachschub schwierig. Vor allem war die Versorgung der Pferde während der späten Wintermonate schwierig, ausreichend Futter zu beschaffen war praktisch unmöglich. Nicht selten wurden bei Feldzügen in diesen Monaten die dahinsiechenden Gäule am Ende einfach von den hungernden Truppen verspeisten.

Vor dem Heerzug schickte man üblicherweise zuerst Spione aus, die in den gegnerischen Ländern eventuelle Truppenbewegungen beobachteten und Falschmeldungen, Gerüchte, ausstreuten. Auch hatte man Männer vor Ort in festem Sold, die regelmäßig Rapport über die Politik und Winkelzüge des Gegners gaben. Ideal geeignet für diese Aufgabe waren fahrende Händler. Sie kamen viel herum, hörten viel und wussten viel zu berichten. Nicht selten arbeiteten sie als Doppelagenten und verdienten sich auf diese Weise ein ordentliches Zubrot.

Um ein vernünftiges Heer aufzubauen war es vor allem wichtig, gute Anführer finden, und deren gab es in der Regel nicht allzu viele. Autorität und Führungsqualität, wie auch Weitsicht und Waffengeschick fand sich am ehesten noch in den edlen Familien des Landes. Die Adligen waren es gewöhnt ihre Untergebenen Anweisungen zu erteilen, sie hatten es nicht nötig, sich durch die Mühsal des Tageswerks zu quälen und dadurch mehr Zeit sich im Waffenhandwerk zu üben. Aber letzten Endes war ein jeder Freie dazu befähigt eine Truppe ins Feld zu führen, der sich darauf verstand mit Waffen und Männern umzugehen und konnte so einen Hauptmannsrang erreichen. Fraglicher war es eher, ob der König denjenigen Männern auch wirklich vertrauen konnte, denen er das Gewicht seiner militärischen Macht in die Hände gab, damit sich diese Macht nicht am Ende womöglich gegen ihn selbst richtete.

Das Heeresaufgebot der wehrfähigen Männer, über die der König in Kriegszeiten verfügen konnte, wurde Fyrd genannt. Fünf Höfe hatten dabei einen Krieger zu stellen und mit Nahrung und Geld für 2 Monate auszustatten. Derjenige Hof, der den Kämpfer stellte, war von den Ausgaben befreit. Mehrer Hundertschaften eines Shires wurden üblicherweise von einem Sheriff geführt. In der Regel waren kleinere Heere nicht mehr als 3000 Mann stark und selbst größere Heere umfassten maximal fünf- bis siebentausend Männer.

Es brauchte mindestens zwei Wochen, um die wehrfähigen Männer aus den zum Teil weit entlegenen Gebieten des Landes zusammenzurufen und noch einmal etwa eine Woche, bis alle Truppen endlich versammelt waren. Das konnte kostspielig werden, denn die früher Angekommenen mussten die ganze Zeit über versorgt und mit Unterkünften versehen werden. Da man ja aber noch im eigenen Land stand, konnte auch nicht auf die Ressourcen des gegnerischen Landes zurückgegriffen werden und man musste die Truppen somit auf eigene Kosten versorgen. Insbesondere wenn ausländische Hilfstruppen hinzugezogen werden sollten, was nicht selten der Fall war, konnte sich das Aufgebot sehr in die Länge ziehen. Wilhelm der Eroberer musste zum Beispiel vier Wochen warten, bevor der Wind günstig stand, um mit seiner Flotte über den Kanal nach England überzusetzen.

Der König unterhielt, wenn nicht zum Heerbann gerufen wurde, eine kleinere Leibgarde von Elitekriegern, die eine immer bereite, schnelle Eingreiftruppe darstellten.
Im Kriegsfall wurde jeweils nur ein kleiner Teil der zu Verfügung stehenden Männer des gesamten Heeresaufgebotes zu den Waffen gerufen, denn während sie im Feld standen war ihr Unterhalt schlicht und einfach enorm kostspielig. Dauerte das Heersaufgebot einmal länger als zwei Monate, so war es üblich, die Fyrd-Kontingente rotieren zu lassen, die Männer nach Hause zu schicken und neue Truppen auszuheben.

Das normannische Heer bestand aus der Leibgarde des Königs, der schweren Reiterei und der leichten Reiterei, dem Fußvolk, das aus Speerträgern und Bogenschützen bestand, und dem Tross, der die Versorgung der Truppen sicherstellte.

Auf dem Marsch versah die leichte Reiterei in vorgeschobener Linie Späherdienste und blieb ansonsten an den Flanken postiert. Die schwere Reiterei befand sich in der Regel an der Spitze der marschierenden Truppen, in der Mitte befand sich der Tross und zuletzt kamen die Fußtruppen. Dabei bestimmten die langsamen Zuggefährte des Trosses die Geschwindigkeit des ganzen Heerzuges. Wagen schafften am Tag abhängig von der Qualität der Straßen nur eine Strecke von 5 bis 10 Meilen. Dahingegen war eine Tagesgeschwindigkeit von 20 Meilen für Reiter normal, in Eile waren aber sogar Distanzen von 30 bis 40 Meilen möglich.

Für Fußtruppen lag die Marschgeschwindigkeit am Tag bei etwa 10 bis 15 Meilen, die bei Eilmärschen auf 20 bis 25 Meilen gesteigert werden konnte. In schwierigem Terrain, wie Bergland oder dichte Wälder, waren auch die berittenen Verbände in der Regel nicht schneller als die Fußtruppen. Bergelände war generell schwer zu kontrollieren und kaum einnehmbar, weil hier die Überlegenheit einer großen Übermacht kaum zum Tragen kommen konnte. So konnte das langsamere Vorankommen in schwierigem Terrain auch seinen Vorteil haben. Nachtmärsche waren generell eine absolute Ausnahme und erforderten in jedem Fall gute Straßen.

Straßen konnten es den Truppen zwar auf der einen Seite leichter machen, schnell voran zu kommen, sie waren auf der anderen Seite oft aber auch ein böser Flaschenhals, der das Heer zu einem langen Wurm auseinanderzog. Dadurch waren die Truppen angreifbar und brauchten viel Zeit, bis sie sich am Einsatzort wieder zu einer Kampfformation aufgestellt hatten. Brücken waren generell Schwachstellen, denn sie glichen einem Nadelöhr und waren leicht zu zerstören. Sie waren lebensnotwendig für den Nachschub und mussten daher unbedingt mit einer Wachtruppe besetzt sein, damit sie vom Gegner nicht zerstört werden konnten.

Der Süden Englands war auch im Mittelalter noch immer von befestigten Römerstraßen durchzogen, auf denen die Truppen schnell in alle Teile des Reiches gelangen konnten. Von London führten gepflasterte Römerstrassen sternförmig in alle Himmelsrichtungen und durchzogen den Süden der Insel bis zu den Küstenstreifen. Nach Norden verlief jedoch nur ein einziger Heerweg, vorbei an Nottingham, Lincoln und York hinauf nach Newcastle und Durham bis tief ins Land der Skoten.

Während der Nacht konnten kleinere Kontingente entlang der Marschwege bei der örtlichen Bevölkerung einquartiert werden, die ihre Versorgung übernehmen musste, doch das beinhaltete auch Risiken, weil die Truppen dann weit auseinandergerissen waren. So lagerte das Heer häufig einfach im Feld. Die Camps im Feld waren in der Regel nicht befestigt, es sei denn man gedachte für einen längeren Zeitraum zu bleiben, was aber nur selten der Fall war. So wurden in der Regel nur die elementarsten Sicherheitsvorbereitungen berücksichtigt, vor allem wenn der Feind schon nah war, beispielsweise wurden in den umliegenden Bergen Bogenschützen und an wichtigen Zugängen Reiterkontingente postiert.

Schlechte Versorgung konnte den Geist eines Heeres genauso zerrütten, wie ein im Anmarsch befindlicher übermächtiger Feind. Überhaupt konnten Moral und Zusammenhalt im Heer oft nur durch Strenge, Disziplin und Ordnung aufrecht erhalten werden. Eine Armee konstant mit Nahrung zu versorgen war das unentwegt wichtigste und am schwersten zu handhabende Problem bei einer militärischen Kampagne.
Von dem zu Verfügung stehenden Geld für die Verpflegung waren drei Fünftel für Korn, ein Fünftel für Fleisch und das letzte Fünftel für Käse, Bohnen und alles Übrige einzuteilen. Selbst Wein gehörte dazu, denn er sollte die Männer zugleich stärken und beschwichtigen.

Ein ähnlich großer Teil, wie der für Käse und das Übrige war als Futter für das Vieh aufzuwenden, denn Pferde waren enorm teuer im Unterhalt. Sie benötigten täglich mindestens zehn Pfund Heu und wenigstens acht Gallonen Wasser pro Tier. Hatten die Pferde jedoch schwere Arbeit zu verrichten, und Feldmärsche mit gepanzerten Reitern waren definitiv schwere Arbeit, so brauchten sie zusätzlich noch jeden Tag eine Ration von zehn Pfund Hafer. Doch selbst wenn einem Pferd ausreichen Kraftnahrung zu Verfügung stand, konnte es am Tag nur so viel zu sich nehmen, um gerade mal für drei Stunden harte Arbeit zu verrichten. Ansonsten würde es rasch an Gewicht verlieren, wenn es dieser Strapaze Tag für Tag ausgesetzt wäre und nach fünf bis sechs Tagen einfach zusammenbrechen.
Daher machte es Sinn, mehrere Pferde mit sich zu führen, die regelmäßig gewechselt werden konnten, auch wenn das wieder mehr Nachschub an Futter notwendig machte. Ein Reiterkrieger hatte daher zumeist drei Pferde bei sich: Ein Reitpferd, ein Wechselpferd, das sein Bursche ritt, und ein Packpferd.

Die Versorgung aus dem Umland war oft einfacher, als der Nachschub von den vorher angelegten Stützpunkten aus, und je länger ein Heerzug dauerte und je weiter die Nachschubwege wurden, desto größer war am Ende die Gefahr, aufgerieben zu werden. Jenseits einer bestimmten Größe eines Heerhaufens war es sowieso schlicht unmöglich, so viel Nahrung wie benötigt permanent als Nachschub heranzuführen.
Doch auch das Requirieren der umliegenden Ressourcen hatte seine Probleme, denn es war nicht zu jeden Zeiten möglich und unterlag dem Jahreslauf. Besonders im Winter konnten eine größere Anzahl Pferde nicht für lange Zeit versorgt werde, da einfach die Versorgung mit Futter unmöglich war. Aber auch zu anderen Zeiten war es nicht immer erhältlich, z. B. in schlechten Sommern oder in der Zeit zwischen alter und neuer Ernte hatten die Bauern schlicht nichts, das man ihnen abkaufen oder rauben konnte.

– Die Schlacht

Schlacht 1
Sollte es schließlich zur Schlacht kommen, die zumeist das allerletzte Mittel darstellte, wenn alle anderen Bemühungen nicht gefruchtet hatten, so versuchte man mit schnellen, konzentrierten Aktionen das Moment der Überraschung zu nutzen und sich mit etwas Geschick und Glück in eine optimale militärische Ausgangslage zu bringen, bevor der Feind überhaupt Gelegenheit hatte seine Kräfte zu sammeln. Ein schneller Sieg würde den Gegner in jedem Fall verunsichern! Und er würde sicher überlegen, seine Kräfte besser zu schonen und auf die Gnade des Siegers zu hoffen. Oft ließ sich der Feind daher lieber zu Verhandlungen herab, wenn diese auch ihn in der Regel nicht sehr günstig für ihn ausfielen, als dass er ein für sich unsicheres Wagnis auf sich nahm.

So bestand im Grunde die halbe Aufgabe der Feldtruppen zumeist darin, sich in eine gute Ausgangsstellung zu bringen, die feindlichen Kräfte möglichst schnell zu binden, und sie daran zu hindern, ihre taktischen Ziele in die Tat umzusetzen. Es war dabei natürlich von großem Vorteil, wenn man den Gegner zwingen konnte, ein für ihn ungünstiges Terrain für seine Truppen einzunehmen, z. B. Sümpfe oder ein unebenem Gelände. Auch eine Fluss im Rücken oder eine Aufstellung zwischen zwei Bergflanken war für den Gegner sehr ungünstig, da das seine Beweglichkeit erheblich einschränkte.

Von großem taktischen Vorteil war es immer, wenn man ein Heer zum Kampf zwingen konnte, bevor es seine Truppen in eine geordnete Schlachtordnung gebracht hatte, z. B. solange sich die Truppen noch auf dem Marsch befanden, wo es schlicht nicht möglich war, eine effektive Verteidigungs- oder Angriffs-Formation zu bilden. Besonders berittene Truppen konnten in einer solchen Situation einen schnellen Überraschungsangriff mit großem Vorteil für sich entscheiden. solange das feindliche Heer noch auf dem Marsch war. Besonders die ungeordneten, furagierenden Haufen auf Nahrungssuche waren ein leichtes Ziel für die leichte Reiterei und mussten daher oft empfindliche Verluste hinnehmen.

Wenn es sich irgendwie vermeiden ließ, umging man lieber die Notwendigkeit einer offenen Feldschlacht, denn sie kostete in jedem Fall Unmengen an Material und Menschenleben, und ihr glücklicher Ausgang war allzu oft ungewiss. So versuchte man vielmehr den Gegner einfach vom Nachschub und seinen Unterstützungseinheiten abzuschneiden und ihn dadurch langsam aber sicher auszubluten, ohne die eigenen Truppen im Kampf aufreiben zu müssen. Auch die völlige Vernichtung des Feindes war selten und auch nicht im Sinne des Siegers. Denn für künftige Bündnisse mit den Unterlegenen würde man deren Mannen in der Regel später noch benötigen. Nicht Vernichtung des Gegners war das Ziel, sondern die Erweiterung des eigenen Teritoriums.

Ohne Nachschub war der Gegner jedenfalls gezwungen, seine Truppen zu bewegen oder eine Entscheidung im Kampf zu suchen, was ihn in jedem Fall verletzlicher und angreifbarer machte. Die Heere waren nur dann in der Lage zu operieren, wenn der Nachschub funktionierte und konnten generell nicht lange an ein und demselben Platz bleiben, da Nahrung und Holz schnell knapp wurden. Die meiste Zeit verbrachten die Krieger ohnehin damit Nahrungsmittel zu requirieren und zu plündern, eigene Befestigungen zu errichten oder die des Feindes zu belagern, und während neue Bündnisse geschlossen oder die Aktivitäten des Feindes ausspioniert wurden, in der Etappe zu liegen und sich die Zeit mit Müßiggang und Kampfübungen zu vertreiben, bis es wieder weiter an einen anderen Ort ging.

Ein großer Heerhaufen konnte dabei mit der Zeit einen ganzen Landstrich kahl fressen. Daher bestand bei einer langen Belagerung auch für die Belagerer das Hauptproblem in der Versorgung der eigenen Truppen. So beschränkten sich die „Kriegstätigkeit“ gemeinhin einfach darauf, dem Feind auszuweichen, plündernd durchs Land ziehen, die gegnerischen Ressourcen zu vernichten und den Feind dazu zu bewegen, seine guten Stellungen aufzugeben und ihnen nachzusetzen.

– Der Kampf

Kampf 1
Kam es schließlich doch zur Schlacht, dann war es optimal, wenn gleich zu Beginn des Kampfes die Möglichkeit bestand, einige der gegnerischen Anführer zu erledigen. Der Rest der Truppen würden darufhin denn Zusammenhalt verlieren und schnell klein beigeben. Doch das gelang nur in den seltensten Fällen, denn Hauptleute hatten in der Regel ein Korps gut ausgebildeter und loyaler Kämpfer um sich, die ihre Anführer erfolgreich zu verteidigen wussten.

Neben den eigenen Truppen wurden zur Verstärkung häufig auch Söldnerheere aus anderen Ländern angeworben, wie Waliser, Bretonen, Schotten und Flamen von der anderen Seite des Kanals. Doch das war ausgesprochen kostspielig. Und nicht immer erwies sie sich diese Verstärkung als so zuverlässig, wie man es sich gewünscht hätte. Zuweilen wechselten Söldner sogar die Seiten, wenn der Gegner in der Lage war, ihnen bessere Angebote zu unterbreiten, sprich: sie besser zu bezahlen.

Die überwiegende Anzahl der Gefolgsleute aus der Fyrd waren einfache Speerträger. Und selbst wenn sie zu Pferde zur Schlacht kamen so hatten sie doch keine Ausbildung, um vom Rücken eines Pferdes herab in der Schlacht zu kämpfen, denn berittenen Kämpfer waren noch lange keine Panzerreiter. Es war nicht unüblich, dass die Krieger zu Pferd in die Schlacht ritten, um beweglich und schnell zu sein. Ging es aber ans Kämpfen, so stritten sie zu Fuß und ließen ihre Rösser zurück. Bogenschützen waren nur sehr selten beritten, es konnte jedoch durchaus sein, dass sie als schnelle taktische Verbände zu Pferd saßen

Auch die Leibgarde des Königs, die sogenannten Huscarls, war beritten, denn in der schweren Panzerung war der Fußweg beschwerlich und es war darüber hinaus wichtig, die gut ausgebildeten Elitetruppen schnell und effizient einzusetzen. In der Schlacht aber kämpften auch das Elitekorps zu Fuß und scharte sich dabei zu einem schützenden Ring um seinen König.

Es gab bei den Normannen nur wenige ausgebildete Reiter-Kämpfer. Sie gehörten aufgrund ihrer kostspieligen Ausstattung und dem teuren Unterhalt der begüterten Schicht, vor allem  dem Adel an. Dies Gruppe von Kämpfern stellte die schwere Reiterei, die durchgehend mit Kettenhemden und Kettenhosen ausgestattet war und neben Schwert und Tropfenschild eine schwere Stoßlanze führte. Gegen eine solche geschlossene Reihe heranstürmender Lanzenreiter konnte ein Haufen speertragenden Infanterie nicht viel ausrichten, denn die Fußtruppen waren nicht trainiert in Formation zu marschieren und dicht beieinander zu bleiben, es sei denn sie waren sehr erfahren, gut organisiert und gut geführt, was nur selten der Fall war. Erst bei den Schweizer Pikenieren im 17. Jahrhundert kamen Drill und Marschmusik erstmals seit römischen Zeit wieder auf. Das machte die schweizer Spießhaufen wehrhaft und erfolgreich selbst gegen massive Reiterattacken.

Ein probates Mittel gegen Reiterattacken war allerdings ein intensiver Pfeilbeschuss, denn waren die Reiter auch stark gepanzert, die Pferde waren es in der Regel nicht. Ein getroffenes Pferd konnte scheuen oder fallen, den Reiter unter sich begraben, andere Pferde zu Fall bringen oder auch die geschlossenen Angriffsformation durcheinanderbringen.
Daher war es ungemein wichtig, ein Terrain, das für eine Reiterattacke ungünstige Bedingungen bot, für die eigene Infanterie zu nutzen. Das konnte beispielsweise ein steiler Hang, eine Position hinter einem Fluss, sumpfiges Gelände oder hindernisreiches Buschgelände sein. Hatte man genügend Zeit, so konnte man Fallgräben ziehen oder angespitzte Pfähle in den Boden treiben.
Die Position der eigenen Truppen galt es klug zu wählen. Hatte man sich für eine erhöhte Position entschieden, so verringerte der Anlauf zwar die Angriffsgeschwindigkeit beim Ansturm der Reiterei. Ein extrem steiler Hang aber machte die eigenen Pferde beim Hinabreiten extrem langsam – unter dem Gewicht der schwer gepanzerten Reiter würden sie sich überschlagen und die Beine brechen. Doch auch ein zu schneller Anritt auf ebenem Gelände konnte für die Reiterei gefährlich werden, denn waren die gegnerische Reihen tief gestaffelt, dann musste das Tempo des Anreitens unbedingt verringert werden; es bestand sont die Gefahr, tief in die feindlichen Linien einzubrechen und dort vom Gegner umzingelt und niedergemacht zu werden.

Die einmal aus ihrer geschlossenen Formation gebrachten Reiter wieder zurückzuziehen, um sie für einen weiteren Angriff neu zu ordnen konnte ebenfalls problematisch sein, denn nur allzu schnell wurde aus einem eben noch geordneten Rückzug plötzlich eine panische, rennende Herde, die nicht mehr zu bändigen war. Das normannische Heer kannte nämlich keine Manöver. Es trainierte praktisch jeder für sich allein, denn Waffetaktik, Exerzieren, Formationswechsel, alles das hätte ein stehendes Heer erfordert. Daher glichen die Truppen des Fyrd eher bewaffnete Mobs, die anfällig für spontane, ungeordnete Attacken oder panikartige Flucht waren und leicht außer Kontrolle gerieten So diente eine Schlacht quasi auch immer zugleich als Training für die nächste….

Aus diesem Grund wurden in den ersten Reihen in der Regel eine Anzahl erfahrener und kampferprobter Krieger untergebracht, die die anderen durch ihr Vorbild und ihre Tatkraft anspornen und die Reihen stark machen sollten. Sie brachten aus früheren Schlachten die nötige Erfahrung mit, die ersten, noch frischen Wellen des Gegners erfolgreich abzuwehren. Ihre Erfahrung und ihr beherztes Verhalten halfen dabei, beginnenden Auflösungserscheinungen in den eigenen Reihen vorzubeugen – die Reihen geschlossen zu halten. Denn brach auch nur ein kleiner Teil der Linie ein, konnte das schnell zu einem allgemeinen, heillosen Flüchten des ganzen Heeres ausufern. Auch ein euphorischen Voranstürmen in der vermeintlichen Stunde des Sieges, um dem flüchtenden Gegner nachzusetzen, ließ dem Feldherren nur allzu leicht die Führung des Heeres aus den Händen gleiten, das Glück sich wenden und den schon sicher geglaubten Sieg leicht verspielen.

In der Schlacht verständigte man sich mit lauten Befehlen, mit Handzeichen, Trompeten, Feldzeichen, Ordonanz und Meldern. Kleine Heere hatte dabei eine entsprechend kurze Kommandokette, so konnte flexibler agiert und reagiert werden. Daher teilte der Feldherr in der Regel das große, unbewegliche Heer in mehrere, kleinere Kampfverbände auf, die mobiler waren,  schneller und taktisch flexibler operieren konnten. Der König blieb dabei das wichtigste Bindeglied für die kämpfenden Mannschaften und ihre Gefolgschaftstreue, denn auch im heftigsten Kampfgetümmerl stets sichtbar, war er es, für den sie stritten.  Hilfreiche „Verbündete“ in der Schlacht waren allerdings auch eine gute Verpflegung, die Aussicht auf künftige Gewinne, gutes Wetter, der Glaube an die Hauptleute, den Heerführer und sein Schlachtenglück – das alles hielt die Truppe bei Laune. Ein glückloser Heerführer, ein solches Gerücht konnte schnell die Moral einer Truppen schwächen und ihren Glauben an die Sache zerstören. Folge waren alsbald Disziplinlosigkeit und Auflösung im Heer.

Anders als die Fußtruppen waren die Elitekrieger der Garde und manche Söldnerhaufen im Kampf geübt und taten sich in der Schlacht gerne hervor, um Ruhm und Ansehen zu gewinnen. Doch auch übermütiger Einzelkampf konnte eine Formation auseinanderbringen und die Schlachtlinie zerreißen. Und waren die gegnerischen Schlachtlinien erst einmal aus den Fugen geraten, wurde es im allgemeinen Handgemenge zunehmend schwieriger, Freund von Feind zu unterscheiden, denn im Grunde genommen sahen sich in jener Zeit alle Kämpfer ziemlich ähnlich und waren nur an den jeweiligen Feldzeichen, um die sie sich gruppierten, und der ungefähren Stoßrichtung ihrer Bewegung voneinander zu unterscheiden.

Vielleicht war es bei den Normannen auch daher gängige Praxis, fliehende Feinde nach Möglichkeit nicht zu erschlagen sondern lieber gefangen zu nehmen, bevor man am Ende noch eigene Leute erschlug. Daraus erklärt sich vielleicht auch die relative niedrige Zahl von Verlusten in der normannischen Kriegsführung. Zum Einkesseln und Zusammentreiben versprengter Truppen war die leichte Reiterei wie geschaffen. Was mit Gefangenen geschah hing allerdings immer auch sehr vom Fänger, dem Gefangenen und von den Umständen der Gefangennahme ab.
Höher gestellte wurden entweder auf Lebenszeit gefangen gehalten oder gegen Lösegeld freigelassen, einfaches Volk ließ man oft am Leben, aber man konnte die Gefangenen verstümmeln, damit sie nie wieder gegen einen in den Krieg ziehen konnten.
Den Bogenschützen späterer Zeit schnitt man gerne ein paar Finger der Zughand ab. Dem Gegner zeigte man gerne vor der Schlacht die eigene Hand mit zwei gespreizten Fingern zum Gruß, als Beweis der eigenen, unversehrten Fähigkeit den Bogen zu bedienen. Aus dieser Geste entstand das Victory-Zeichens, das Zeichen des erlangten oder für sicher geglaubten, künftigen Sieges.
Allerdings konnten gegnerische Kämpfer auch dazu bewogen werden, in den eigenen Reihen zu kämpfen, so dass man sie lieber ungeschoren ließ. Und selbst ein Eid, nicht mehr die Waffen zu erheben, hatte zu jener Zeit bei Söldnern zuweilen durchaus noch Erfolg.

Schien ein Kampf schließlich gewonnen zu sein, konnte die eben noch fest geschlossene Kampflinie des Heerhaufens schnell zerfallen, denn jeder der Kämpfer wollte sich seinen Teil am Plündergut sichern. Wenn das Plündern aus der Reihe geriet, konnte es jedoch sehr schnell zu Auflösung und Desorganisation des Heeres kommen und zu Streitereien und Kämpfen unter den eigenen Leuten.
Das war äußerst gefährlich, solange der Sieg noch nicht gänzlich errungen war. Das Schlachtenglück konnte sich ja durchaus noch einmal wenden, denn besonders die gegnerische Reiterei hatte nun leichtes Spiel unter den aufgelockerten Reihen der Gegner zu hausen. Plünderei kontrolliert zu halten war daher mitunter eine der wichtigsten Aufgaben der Anführer.

– Die Belagerung

Belagerung 1
Ließ es sich nicht umgehen, so war das allerletzte Mittel die Belagerung, obgleich sie sehr lange dauerte, Unmengen an Material und Menschen verschlang und daher extrem kostspielig war. Die Erstürmung von Burgwälle machte nur dann wirklich Sinn, wenn diese vom Gegner nur schwach besetzt oder die Verteidigungsanlagen schon vorher durch entsprechendes Belagerungsgerät ausreichend beschädigt worden waren. Verschiedenes Belagerungsgerät stand dabei zu Verfügung, wie Belagerungstürme und Rammböcke, die Balista, und nach 1135 auch das Trebuchet.

Die Burgen bestanden in normannischer Zeit zumeist nur aus einem morastiger Trockengraben um eine hölzerne Motte. Wassergefüllte Gräben waren recht selten und nur da anzutreffen, wo es sich vom Gelände her anbot und ein Flussarm umgeleitet werden konnte. Der Angreifer musste dann zuvor an den Stelle den Graben mit Erde auffüllen, wo er den Wall zu erstürmen gedachte.

War die Erstürmung der Wälle gescheitert oder schien nicht erfolgversprechend, so konnte man versuchen den Gegner auszuräuchern oder die Gebäude im Inneren der Befestigung mit Brandgeschossen in Brand zu setzen. Half alles nichts, so musste man versuchen, den Gegner auszuhungern. Steinwälle waren nur schwer zu beschädigen, daher versuchte man sie durch Gräben zu unterminieren und zum Einsturz zu bringen.

Zumeist waren Belagerungen am Ende doch erfolgreich, und so bestand die einzige Chance einer Burgbesatzung darin, so lange auszuhalten, bis endlich Entsatz kam. Der Angreifer war dann gezwungen seine Truppen aufzuteilen, um nicht zwischen Hammer und Amboss zu kommen, und das konnte eine gute Gelegenheit für einen Ausfall sein. Ausfälle versuchte man jedoch möglichst zu vermeiden, denn diese bedeuteten auch immer für den Gegner einladend offene Tore, durch die er in die Befestigung gelangen konnte. So galten Ausfälle üblicherweise immer einem eng definierten, speziellen Ziel, wie zum Beispiel dazu einen Belagerungsturm anzugreifen.

– Die Flotte

Flotte 1
Schiffe wurden hauptsächlich für Truppentransport, Nachschub und Belagerungen eingesetzt. Die Normannen besaßen keine regelrechten Kriegsschiffe und so wurde jeder Transporter, der bewaffnete Männer transportierte im Grunde genommen zum Kriegsschiff. Der Transport von Nachschub und Truppen auf Flüssen war dabei absolut unüblich und Schiffe wurden daher zumeist nur entlang der Küsten eingesetzt. Auch Pferde konnten an Bord transportiert werden, doch ihre Zahl pro Schiff war sehr begrenzt.

Seeschlachten waren eher die Ausnahme. Der Kampf zur See war dabei eine Kombination mehrerer Taktiken. Man versuchte die gegnerischen Schiffe zu rammen und zu entern und führte zuweilen sogar Katapulte auf den Schiffen mit, die Wurfgeschosse und Feuerkörbe auf die gegnerischen Schiffe schleuderten. Butescarl wurden spezielle Seekrieger genannt, die im Entern und Kämpfen an Bord erfahren waren. Abgesehen von den zu transportierenden Truppen hatte ein Schiff üblicherweise etwa zehn Mann Besatzung.

Ein großes Problem, die Schiffe einer Flotte zusammenzurufen, bestand darin, das zwischen dem Zeitpunkt der Benachrichtigung, dem Auslaufen und dem Ankommen der Schiffe in der Regel viel Zeit verstrich, die schlecht zu kalkulieren war. Schiffe benötigten sehr viele Vorbereitungen, um sie seeklar zu machen und auch das Beladen mit Nahrung, Waffen, Pferde und Truppen nahm viel Zeit in Anspruch. Das Zusammenstellen und Versammeln einer großen Flotte konnte je nach Anzahl der Schiffe Wochen bis Monate dauern, war kostspielig und oft ein gewagtes Unternehmen. Windstille oder schlechtes Wetter konnte das Auslaufen vereiteln, günstige Winde sich während des Weges in Flauten verwandeln, Stürme konnten die Flotte in alle Richtungen zerstreuen oder sogar zerstören und so eine lang geplante Flottenunternehmungen kurzer Hand zerschlagen.

Literaturnachweis: Warfare under the anglo-normann kings 1066 – 1135, Stephen Morillo
Bildnachweis: http://www.iris-kammerer.de/html/bayeux.html

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2012

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