Römische Taschen aus Leder

Auf Latein wurde die Tasche der Römer ganz allgemein„Pera“ genannt, doch genau besehen gab es in römischer Zeit eine ganze Reihe verschiedener Taschen.
Leider sind nur einige wenige Lederfunde und somit auch Taschen aus römischer Zeit erhalten geblieben.
Die wenigen Hinweise stammen von Bildzeugnissen wie den Darstellungen römischer Legionäre auf der Trajansäule in Rom und einigen spärlichen Bodenfunden.

Der römische Geldbeutel

Im römischen Reich war bereits eine lebendige Münzwirtschaft verbreitet, die alle Bereiche des zivilen und militärischen Lebens bis weit hinein in die römischen Provinzen bestimmte.
So war natürlich auch irgendeine Form von Geldbeutel notwendig, um die vielen im Umlauf befindlichen Münzen mit sich zu führen. Hierfür eignete sich bestens der Kordelzugbeutel – das sogenannte „Marsupium“.
Dieser römische Geldbeutel bestand entweder aus einem kreisrund ausgeschnittenen Stück Stoff oder Leder, wie es von einem römischen Lederbeutel aus Gellep (Gelduba) bekannt ist oder aus zwei übereinandergelegten, vernähten Teilen, wie es bei einem Lederbeutel aus dem niederländischen Barger (Compascuum) stammenden römischen Geldbeutel aus dem späten 2. Jh. vorliegt.

Eine völlig andere Art von Börse, eher ein Etui, fand sich in den Höhlen von Wadi Murabba`at in der Nähe der Oase En Gedi in Israel.
Diese Tasche war aus einem Stück Schafsleder mit spitzovalen Einsätzen an beiden Seiten und einer rundlichen Klappe gefertigt und war 21 x 35 cm groß. Sie und hatte weder Gürtelschlaufen noch einen Trageriemen und sah ein wenig wie ein heutiges Kellner-Portemonai aus.
Die Tasche ist nicht direkt römisch, stammte aber aus der Bar Kochba Periode, also der Mitte des 2. Jh. zur Zeit der jüdischen Aufstände unter der römischen Besetzung Israels.

Zudem wurde in Wadi Murabba zeitgleich auch eine rechteckige Tasche aus rot gefärbtem Schafsleder von 13 x 18 cm gefunden, gefertigt aus einem zusammengeklapptem Stück Leder, die man mit einem horizontalen Kordelzug verschloss.
Auch diese Tasche hatte weder Schlaufen noch Schulterriemen und war nicht direkt römisch, sie stammte jedoch gleichfalls aus der Zeit der römischen Besetzung Galiläas.

Römische Gürteltaschen

Gürteltaschen scheinen bei den Römern kaum in Gebrauch gewesen zu sein und ich habe bislang auch keine Funde dazu entdeckt, es gibt aber zwei Publikationen, die sich mit diesem Thema befassen: Baatz, D. „Lederne Gürteltaschen römischer Soldaten“ von D. Baatz und „Spätkaiserzeitliche Gürteltaschen mit Knebelverschluss“ von M. Schultze.

Die Tragetasche der Legionäre

Legionäre hingegen trugen den sogenannten Loculus, eine rechteckige Tasche mit sich, die sie entweder an einem hölzernen Tragegestell (Furcus) befestigten oder an einem Riemen über die Schulter trugen. Zwei solcher Taschen aus augustäischer Zeit sind aus dem Schiffswrack von Comacchio bekannt.
Die eine hat eine kantige Form, die stark an heutige Schulranzen erinnert und mit zwei Lederbändern verschlossen wurde. Die andere besteht aus einem zusammengeklappten Stück Leder und erinnert an den typischen Haversack der amerikanischen Sezessionskriege.
Beide Taschen waren mit einem Trageriemen versehen.
Der typische „Loculus“ war 30-40 cm breit und etwa 20 cm hoch, was in etwa der Haut einer Ziege entsprach, aus der man diese Taschen in der Regel fertigte. Aber auch Taschen aus Kalbsleder sind belegt.

Ein wichtiges Zeugnis eines römischen Tornisters stammt von den steinernen Bildzeugnissen der Trajansäule in Rom und zeigt mit kreuzförmigen Streifen verstärkte Ledertaschen der römischen Legionäre.
Verschlossen wurde diese Tasche scheinbar mit einer dreieckigen Klappe aus Leder an einem mittig an den Verstärkungsriemen platzierten Metallknopf.

Eine weitere rechteckige Tasche aus römischer Zeit wurde im englischen Bar Hill am Antoniuswall gefunden. Diese war zwar für einen Tornister zu klein, jedoch gibt es einen ganz ähnlichen Fund von Ledertaschen aus Vindonissa und Vindolanda in denen Wachstafeln transportiert wurden.
Diese Taschen hatten generell Seitenteile mit einem Grundkörper, der aus einem einzigen Stück Leder gefertigt war

Literaturhinweise

II. Der Geldbeutel, Palaeohistoria 5 (1956), Seite 81 – 87

Jutta Göpfrich, Römische Lederfunde aus Mainz, Offenbach 1991.

Berti, Fede. Fortuna maris. La nave romana di Comacchio. Bologna, 1990

Keppie, L. J. ‚Finds of Leather‘ in Scott, M. and Keppie L. Bar Hill: A Roman Fort and its Finds, British Archæological Reports 16, 1975.

Schlabow, K. Der römische Münzschatz von Bargercompascuum (Drenthe). II. Der Geldbeutel. Palaeohistoria 5, 1956: 81-87.

Yadin, Yigael. Die Funde aus dem Bar-Kochba-Periode in der Cave of Letters. Jerusalem, Israel Exploration Society, 1963.

Vindolanda. Research Reports, New Series. Vol. III Die frühen Wooden Forts. Carol van Driel-Murray, John Peter Wild et al. 1993

Groenman-van Waateringe, W.: Römische Lederfunde aus Vindonissa und Valkenburg ZH; Ein Vergleich <br>. Gesellschaft pro Vindonissa. Jahresbericht 1974 62-84

Baatz, D. „Lederne Gürteltaschen römischer Soldaten“, Archäologisches Korrespondenzblatt 13, 1983: 359-61

Schultze, M. „Spätkaiserzeitliche Gürteltaschen mit Knebelverschluss“, Archäologisches Korrespondenzblatt 12, 1982: 501-9

Yadin, Yigael. The Finds from the Bar Kokhba Period in the Cave of Letters. Jerusalem, Israel Exploration Society, 1963

Verfasst von Peer Carstens, August 2013

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2 Gedanken zu “Römische Taschen aus Leder

  1. Haben sie schon das Artikel aus 2008 „The water bag of Roman soldiers“ von Marquita Volken gelesen? Es gibt hier wichtige Argumente dass noch immer ein Detail uebersehen ist von vielen, naemlich die Tülle die man rechts an jeder ‚Loculus‘-Tasche sehen kann. Es kann nicht anders als ein Teil dieser Tasche sein, denn die andere Tülle, links hinten jedem Loculus, gehoert unbestreitbar zum Knappsack mit grobknochige Gepäckinhalt. Damit ist es sehr gut anzunehmen, dass der Loculus ein Wassersack sei, und der Knappsack ein Weinsack um den bekannten Posca zueinanderzumischen. Bitte, lesen Sie diesen Artikel.

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