Die Mode der Wikinger

Die Bekleidung zur Zeit der Wikinger

Bekannt ist uns die nordische Gewandung vor allem aus Abbildungen und Grabfunden. Bekleidete Menschen wurden z. B. auf Bildsteinen und Runensteinen abgebildet. Und es gibt kleine metallene Abbildungen von Menschen, die auf der Bekleidung aufgenäht wurden und sehr schön Bekleidungssitten und sogar auch Haartracht zeigen – s. unser Wikingeramulett Tuna. Weitere schöne Anhänger und Ziernieten finden Sie hier: Wikinger-Amulette.

Darüber hinaus gibt es einige wenige Skulpturen aus der Zeit

Bilder geben einen allgemeinen Eindruck der Gewandung. Dieser konnte in gewissem Umfang durch Grabfunde bestätigt werden, ausgehend von metallenem Kleidungszubehör und einigen wenigen Textilfunde, also Resten von Kleiderstoffen.

Männerbekleidung

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Hier kennen wir zwei Typen Hosen – einerseits lange, gerade geschnittene Hosen und andereseits Pluderhosen, die unter den Knien geknotet wurden. Letztere, abgebildet z. B. auf einem gotländischen Bildstein, waren vermutlich von der orientalischen Kleidermode beeinflusst.

Als Oberbekleidung wurden ein Hemd (schwed. „skjorta“) und ein Übergewand (schwed. „kortel / kyrtel“) bzw. ein Rock getragen. Darüber kam der rechteckig geschnittene Mantel, ein Überwurf, der auf der rechten Schulter (für Rechtshänder) mit einer Ringfibel oder einem Nadelring (schwed. „ringnål“) geschlossen wurde.

Kleinere Fibeln hielten die untere Gewandung am Hals zusammen. Vielleicht diente auch eine Glasperle gelegentlich als Hemdenknopf. Um die Leibmitte trug „Mann“ einen Gürtel, der zum Teil mit Zierplatten beschlagen war. Besonders für die gotländische Mode waren rundum mit rechteckigen Messingplättchen besetzte Gürtel verbreitet.

Gewandreste aus Gräberfunden aus Birka scheinen Leibröcke gewesen zu sein; es gibt Beispiele, dass diese mit „Rippen“ verziert waren, quer aufgenähten Streifen aus Seidenstoff.
Gewänder, die mit langen Reihen Knöpfen geschlossen wurden, waren vermutlich Importware oder ihre Herstellung geht auf östliche Einflüsse zurück.

Frauenbekleidung

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Direkt auf dem Körper wurde das hemdartige „särk“ getragen, gewissermaßen ein langes Unterhemd oder Unterkleid. In Birka fand man Reste von Leinensärk, teilweise sogar plissiert.
Das „Schnittmuster“ war vermutlich so, dass das Hemd aus einer doppelt gelegten Stoffbahn bestand. Der Stoffbruch lag über den Schultern, Halsrundung und Halsausschnitt wurden ausgeschnitten. Die Stoffbahn wurde an den Seiten bis unter die Achsel zusammengenäht.
Das Särk war fußlang und muss von ansehnlicher Weite gewesen sein, so dass die Rückenpartie oftmals in einer kleinen Schleppe endete. Das geht deutlich aus Bildfunden hervor, z. B. einem kleinen Aufnähbeschlag, der eine bekleideten Frauengestalt (Tuna i Alsike) zeigt.

Über dem langen Hemd trug „Frau“ ein Trägerkleid, eigentlich einen Trägerrock. Dieser war einfach tunnelförmig geschnitten bzw. gewebt und genäht. Er reichte von den Achseln bis etwa zur Mitte der Wade – das Ende des Särk war also immer sichtbar.
Das Obergewand wurde mit Stoffstreifen, Trägern oder Schlaufen über der Schulter befestigt, wobei die Enden der Träger mit paarweise angebrachten Fibeln, den sog. Schalenfibeln (s. u. Fibeln) am Obergewand befestigt waren. Das Obergewand war aus Leinen oder aus Wolle gewebt.

Das Übergewand war ein Mantel (schwed. „kappa“), der unter dem Kinn bzw. über der Brust mit einer einzelnen Fibel geschlossen wurde. Von Abbildungen her hat man gelegentlich den Eindruck, dass Frauen Schürzen trugen. Durch Grabfunde wurde das allerdings nicht bestätigt.

Ob es noch weitere, kleinere Kleidungsstücke gab ist ungewiss. So stellt sich z. B. gelegentlich die Frage, ob Kopftücher üblich gewesen seien. Auf Abbildungen lässt sich oftmals nicht unterscheiden, ob Männer Helme tragen oder Filzkappen, bzw. ein Tuch in irgendeiner Art um den Kopf gewunden haben.
Einige wenige Grabfunde aus Birka zeigen üppige Männermützen. Allerdings erscheinen diese auf Grund der dekorativen Gestaltung eher einen östlichen Einfluss zu haben und waren vermutlich keine einheimische Produktion. In Birka wurde z. B. eine kleine silbernen Mützenspitzen gefunden.

Allerdings ist die Kopfbedeckung Odins aus einigen Abbildungen bekannt – ein breitkrempiger Hut.

Frauen wurden soweit erkennbar barhäuptig oder mit einer Art Haarknoten abgebildet, obwohl es gelegentlich auch aussehen könnte wie ein Kopftuch. Möglicherweise deuten auch die in Gräbern gefundene Gewandnadeln – s.u. – auf deren Verwendung hin.

Über Fußbekleidung ist ebenfalls wenig bekannt, das meiste davon aus den ledernenen Überresten von Schuhmacherwerkstätten in dichter besiedelten Gebieten, also aus den in Abfallgruben gefundenen Lederresten. So gibt es eine ganze Anzahl von Schuhfunden aus den Grabungen in Haithabu.
Im Oseberggrab fand man Überreste von Schuhen. Hier war die weiche Ledersohle vorne und hinten spitz zulaufend geschnitten. Das hintere Ende wurde über die Ferse nach oben gezogen. Ein Oberleder aus einem Stück war oben aufgenäht und der Schuh damit geschlossen.
Es ist naheliegend, dass es winters Pantinen mit Holzsohle gab, da sich an einer weichen Ledersohle keine „spikes“ befestigen ließen. Sowohl Pferde, als auch Menschen waren während der Winterzeit mit Eisspikes (schwed. „broddar“) an den Füßen ausgestattet, aus Metall geschmiedeten Bändern mit kleinen Spitzen, die mit einem Band am Fuß unter der Sohle befestigt waren. In die Schuhe steckte man Stroh oder Fußlappen, um die Füße warm zu halten.

Im Winter trug man zudem Fausthandschuhe. Ein solcher wurde in Lund gefunden, hergestellt in Nadelbindung. Auch in Åslo mosse in Västergötland fand man einen Fausthandschuh in Nadelbindung, der allerdings schon aus der späteren Eisenzeit stammt. Ebenso sind Mützen und Socken in Nadelbindung belegt.

Mann wie Frau trugen bei kühler Witterung zudem einen sogenanten Klappenrock oder Kaftan.

Es ist davon auszugehen, dass Gewandung und Kleidermode wesentlich mehr Varianten zeigten, als beschrieben wurde.

Zur Kinderbekleidung kann nicht viel gesagt werden. Auf Abbildungen kommt sie kaum vor. Die untersuchten Kindergäber geben den Eindruck, dass die bestatteten Kinder nicht mit ihrer eigentlichen Gewandung bestattet worden waren. Sie waren oftmals mit „erwachsenen“ Grabbeigaben versehen, wie Waffen oder Fibeln, was kaum Bestandteil ihres Alltagslebens gewesen sein dürfte.

Bearbeitete Übersetzung aus „Vikingatidens ABC, Statens Historiska Museum, 1981, S. 54 – Stichwort „dräktskick“.

Verfasst von Anita Carstens, März 2013

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