Die Uta von Naumburg

Die Statue der Uta aus dem Dom zu Naumburg ist mit Abstand eines der bedeutendsten plastischen Bildwerke der deutschen Gotik.  Die Steinfigur wurde neben 11 anderen Stifterfiguren Mitte des 13. Jh. geschaffen und befindet sich heute im Westchor des Naumburger Doms.

Die Gestaltung der Uta wird in der Kunstgeschichte als eine der bemerkenswertesten Schöpfungen der deutschen Bildhauerkunst gerühmt. Hier wurden die  schablonenhaften Darstellungen der Romanik vollständig überwunden, und die Figur wurde durch die Steigerung der individueller Merkmale wunderbar lebendig, was für die damalige Zeit geradezu revolutionär war.

Insbesondere die fließende, fast lebensechte Bewegung des Körpers, ihr seitlich geneigtes Haupt, das fast schon schüchtern hinter dem hohen Kragen halb verborgene Gesicht mit dem in die Ferne schweifendes Blick, und der wie zum Schutz zum Kinn und unter die Brust hin geraffte Mantel, verbunden mit dem gleichzeitige Ausdruck von Stolz und Würde – alles das macht das Bildnis der Uta zu Naumburg zu einem einzigartigen Bildzeugnis mittelalterlicher Kunst, das bis heute nichts von seiner Anziehung verloren hat.

Wer war nun eigentlich diese Uta? Die Markgräfin Uta war eine Adlige aus dem 11. Jahrhundert aus Ballenstedt und entstammte dem Geschlecht der Askanier. Uta war mit Ekkehard II., dem Markgraf von Meißen verheiratet, konnte mit diesem jedoch keine Nachkommen zeugen, weshalb sie ihr Vermögen dem Vorgängerbau des Naumburger Doms stifteten und dafür als Stifterfiguren verewigt wurden, dieses jedoch erst rund 200 Jahre nach ihrem Tod.

Und das ist leider auch schon so ziemlich alles, was wir heute noch über die Uta wissen. Weder aus dem Mittelalter, noch aus der Neuzeit gibt es Überlieferungen zur Uta und nicht einmal die deutsche Romantik nahm Kenntnis von dieser einmaligen Kunstschöpfung. So haben weder Goethe, noch Herder, noch Novalis und auch sonst niemand der hehren deutschen Literaturelite jener Zeit auch nur ein Wort über die Uta verloren. Vielleicht lag es einfach daran, dass die Uta dem Geschmack der damaligen Zeit nach zu bunt bemalt war, was ihr in den Augen der Geistesgrößen schlicht den Nimbus simpler Volkskunst gab.

Als 1937 in München die Ausstellung „Entartete Kunst“ eröffnet wurde, befand sich zwischen all den Werken der Modernen Kunst auch ein Bild der Uta, die als Lichtgestalt hehrer deutscher Kunst der entarteten Kunst gewissermaßen einen Spiegel vorhalten sollte, und sogar Walt Disney verhunzte das Bildnis der Uta von Naumburg, und zwar als Vorbild für die Darstellung der bösen Stiefmutter in dem Zeichentrickfilm Schneewittchen, womit die  Gesichtszüge der Uta weit über die Grenzen Deutschlands bekannt wurden, wenn auch in einer eher verzerrten und missgünstigen Gestalt.

Die Stadt Naumburg und der Verein der vereinigten Domstifter haben seit 2008 übrigens das UTA-Treffen ins Leben gerufen, ein Treffen von Frauen, die den Vornamen Uta tragen und sich der Stifterfigur verbunden fühlen.

Besonders interessant ist die Schmuckgarnitur der Uta zu Naumburg, zum einen der Tasselmantel, der von zwei großen Tasselscheiben gehalten wird, und die bemerkenswerten Brosche bzw. Fibel auf der Brust. Im Sinne der Fernwirkung, die die Statue haben musste, waren die Schmuckstücke der Uta natürlich überproportional dargestellt.

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Brosche der Uta zu Naumburg
Die Brosche der Uta zu Naumburg als Schmuckstück

Tasselscheibe der Uta zu Naumburg
Die Tasselscheibe der Uta zu Naumburg als Schmuckstück.

Wer mehr über die Uta wissen will, hier ein paar Literaturtips:

– Wolfgang Ullrich: Uta von Naumburg. Eine deutsche Ikone. Wagenbach, Berlin 2005,
– Helga Wäß: Die Wandskulpturen im Naumburger Dom. Band 2. S. 467
– W. Hartmann: Vom Main zur Burg Trifels – vom Kloster Hirsau zum Naumburger Dom

Hier noch ein interesanter Link zu einer Seite mit Frauendarstellungen aus dem Mittelalter.

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswalde 2010
Bildnachweis: Wikipedia

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3 Gedanken zu “Die Uta von Naumburg

  1. Sehr geehrte Damen und Herren, können sie mir auch mit einer Uta-Figur, Größe ca. 20 cm, Material Gips, Holz o.ä. weiterhelfen?

    • Ich besitze eine 970 g schwere und 28,5 cm große, wunderschöne Skulptur, Uta von Naumburg, grün-messingfarbig. Leider kann ich den Wert dieser Skulptur nicht einschätzen.

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