Der Schrein von Cammin

Die Schreine von Cammin und Bamberg – Kleinodien der Wikinger-Zeit

Der Schrein von Cammin
Der Schrein von Cammin ist ein im Mammen-Stil der späten Wikingerzeit gestalteter Reliquienschrein, der um 1.000 n. Chr. in Skandinavien gefertigt worden war und später in den Domschatz des Bistums Cammin in Pommern gelangte, wo er seit spätestens dem Jahr 1617 belegt ist.

Das Original ist seit dem Zweiten Weltkrieg leider verschollen. Doch es existiert eine exzellente Nachbildung im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz, die uns heute ein großartiges Bild von der Kunstfertigkeit wikingerzeitlicher Handwerker vermittelt. Der Schrein von Cammin weist hierbei eine beeindruckende Ähnlichkeit mit wikingerzeitlichen Häusern der selben Epoche aus der Ringburg von Trelleborg in Dänemark auf.

Der Schrein von Cammin hatte einen Holzkern, der mit 27 – vermutlich aus Elchgeweih gefertigten Hornplatten – mit geschnitzten Tieren und Masken im Mammen-Stil verziert war. Es gibt zwar ähnliche Arbeiten aus Walrossbein, doch nur Elchgeweih ist groß und fein genug, um solch detaillierte Arbeiten zu ermöglichen. Die Platten waren mit vergoldeten Bronzestreifen befestigt, die auf dem Dach des Schreins in vollplastisch gearbeiteten Tierköpfen endeten.

Schreine in der Art des Schreins von Cammin waren zu Beginn des 11. Jahrhunderts offenbar recht weit verbreitet, denn auf der Meineidszene des Teppich von Bayeux schwört Harald Godwinson auf einem Schrein, der dem von Cammin gleicht.
Literaturhinweis: Egon Wamers, Die letzten Wikinger – Der Teppich von Bayeux und die Archäologie.

Der Bamberger Schrein
Ein in ganz ähnlicher Art und ebenfalls im Mammen-Stil gearbeiteter Schrein, ist aus Bamberg bekannt. Es ist der sogenannte Kunigunde-Schrein, der heute im Bayerischen Nationalmuseum in München aufbewahrt wird. Der sog. Bamberger Schrein ist seit spätestens 1608 belegt, und zwar aus dem Kollegiatsstift St. Stephan in Bamberg, welches mit Grundbesitz der Königin Kunigunde ausgestattet, zwischen 1007 und 1009 vom Bischof Eberhard gegründet worden war. Das passt zeitlich in die Entstehungszeit des Bamberger Schreins. Auch auf dem Schrein von Bamberg finden sich kunstvoll gearbeitete Beinplatten aus eindeutig skandinavischer Fertigung.

Der Mammen-Stil
Der Mammen-Stil, auch als jüngerer Jelling-Stil bekannt, ist ein Kunststil der Wikinger-Zeit, der zwischen 950 und 1060 in Skandinavien verbreitet war. Benannt ist der Mammen-Stil nach einem Axtfund aus dem Kammergrab von Mammen in Jütland. Er wurde häufig an prunkvollen Gebrauchsgegenständen aus Metall, an Schmuckstücken, an Schnitzarbeiten aus Horn und an Bildsteinen verwendet.

Charakteristisch für den Mammen-Stil sind aufrecht stehende, isoliert dargestellte Vierfüßler, oftmals mit einem Nackenschopf am Kopf und mit weit aufgerissenem Rachen.
Die ursprünglich lang, schmal und bänderartig gestalteten Tiere des vorhergehenden Jelling-Stils wuchsen im Laufe der Zeit mehr in die Breite, und sie bekamen den im Mammen-Stil stattlicheren Körper und eine mehr isolierte Darstellung. Außerdem wurden die Abbildungen nun  weniger abstrakt, mehr naturalistisch.
Als ein weiteres Element wurde nun im Gegensatz zu früheren Stilrichtungen auch mehr Wert auf florale Bestandteile gelegt. Die Anregung dazu kam vermutlich aus dem fränkischen und angelsächsischen Raum. Der Mammen-Stil näherte sich in seiner Formensprache der englischen und deutschen Kunst an.

Der Mammen-Stil wird manchmal auch als ein besonders vornehmer Stil bezeichnet, da er nicht an Erzeugnissen der Massenproduktion auftritt, sondern hauptsächlich auf Einzelstücken aus kostbarem Material wie Silber oder Elchgeweih zu finden ist.
Doch möglicherweise liegt diese Einschätzung auch nur an den Fundumständen. Denn aus der späten Wikingerzeit sind aufgrund der sich ausbreitenden Christianisierung nur noch wenige Gräber mit Schmuckbeigaben bekannt.

Verfasst von Peer Carstens, Dippoldiswade 2010.
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